Seniorenrunde tauscht am Mittagstisch Stadtnachrichten

Das Treffen ist eine Institution für ältere Menschen in Lengenfeld. Man erfährt, was, wann und mit wem etwas in der Stadt geschieht. Und der Bürgermeister weiß, warum eine Regenrinne nervt.

Lengenfeld.

Eine Zeitungsschau gehört für die knapp 20 Senioren zum festen Programm, bevor sie sich jeden Dienstag um die Mittagszeit zum Essen in der Gaststätte des Hotels "Lengenfelder Hof" treffen. Sie tauschen Neuigkeiten aus, die der Alltag für ihre Generation bereithält. Die "Freie Presse" ist dabei eine unverzichtbare Informationsquelle.

Helga Bachmann, mit 79 Jahren das Küken in der Runde: "Ich lese jeden Tag mindestens anderthalb Stunden Zeitung. Ohne die ,Freie Presse' würde mir das Frühstück gar nicht schmecken. Zuerst lese ich den Roman, dann löse ich das Kreuzworträtsel." Die Seite mit den Babyfotos ist ebenfalls von höchstem Interesse. Eva Freitag (85) sagte: "Ich habe fünf Enkel. Das neunte Urenkel ist unterwegs. Ich schaue mir die Vornamen der Kinder an und überlege, welcher mir gefällt, obwohl ich natürlich als Oma kein Mitspracherecht bei der Namenswahl habe." Werner Kluge, mit 88 Jahren ein rüstiger Rentner, der sich als fast einziger Mann der Runde ein bisschen wie der Hahn im Korb fühlt, ist aufgefallen, dass alte Namen wieder modern sind: "Ich finde es schön, dass Eltern ihre Kinder Max und Paul nennen."

Neben der Auswertung der Nachrichten stehen Lengenfelder Befindlichkeiten im Fokus. Als zufällig Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) vorbeikam, erhielt er Aufgaben: "Vorn an der Edeka wächst der Stadtbach zu", rief ihm die 90-jährige Ursula Bauer zu. Dass es für Senioren schwierig sei, die Poststraße vom Fleischer aus in Richtung Marktplatz zu überqueren, war das nächste Problem. Für einen Zebrastreifen bekomme die Stadt keine Genehmigung, hielt der Bürgermeister dagegen. Die Regenrinnen auf dem sonst ebenen Markt erweisen sich für Rollator-Fahrer und Ältere als Stolperfalle, auch das musste sich der Bürgermeister anhören. Er kennt die Seniorenrunde schon lange. Alle sind per du, auch mit dem Bürgermeister.

Als großartig empfinden die Senioren die Umgestaltung des alten Milchhofs in ein Wohnobjekt für ältere Menschen. "Jetzt ist der Markt erst richtig geschlossen", so Werner Kluge. Inge Hochmuth, der man ihre 83 Jahre nicht ansieht, hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ist vom Stadtrand dorthin gezogen: "Alles erreiche ich auf kurzem Weg. Wenn ich hier zum Treffen gehe, muss ich nur den Markt überqueren." Dass junge Menschen Abfälle fallen lassen oder unachtsam mit dem Geschaffenen in der Stadt umgehen, kann die Runde nicht verstehen. "So etwas gab es früher gar nicht. Die meisten Familien hatten viele Kinder. Da hat man einfach erwartet, dass wir uns benehmen können", sagte Ursula Bauer.

Einige Senioren kommen mit dem Rollator, andere fahren noch Auto. Johanna Steudel setzt sich mit ihren 80 Jahren hinters Lenkrad, "weil ich nicht mehr so gut zu Fuß bin." Das Alter rückt noch andere Themen in den Fokus: "Wer ist gestorben? Das besprechen wir auch", so Ursula Bauer. Auch diese Infos liefert die Tageszeitung. Viele Teilnehmer seien in den letzten 15 Jahren gestorben. Andere kamen neu dazu. Oft gebe es einen Grund zum Feiern: 20 Senioren - 20 Geburtstage, die mit Kuchen, Kaffee oder einem Glas Sekt gewürdigt werden.

Den Senioren mangelt es auch nicht an Plänen: "Wir wollen das Museum besuchen", so Ursula Bauer. Dass man sich nachmittags beim Bäcker zum Kaffeetrinken trifft, zählt auch zu den Annehmlichkeiten des Seniorenlebens.

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