Silbermanns Klang in Mylau lebendig

Vor 290 Jahren hatte der berühmte Meister die Orgel für die Stadtkirche in Mylau gebaut. Sie erklingt bis heute. Einige Teile wurden jedoch einst als Brennholz verkauft.

Mylau.

Lauschen die Besucher der Stadtkirche in Mylau bei Gottesdiensten, Konzerten und bei Kirchenbesichtigungen der Orgel, so werden sie in die Zeit von Gottfried Silbermann versetzt. Der Meister hat das Instrument vor fast drei Jahrhunderten gebaut. Die Orgel wurde zur Weihnachtszeit 1731 geweiht. Eigentlich sollte das schon früher geschehen. Seit Januar 1731 fertigte Silbermann das Instrument in seiner Freiberger Werkstatt an. Im Vertrag zum Orgelbau waren mit Silbermann 800 Taler vereinbart. Davon wurden 400 Taler sofort fällig.

Im August 1731 kam Silbermann mit seinen Gesellen und einem Lehrling nach Mylau. Der Orgelbaumeister richtete eine Werkstatt im Haus des Fleischers Herold ein. Gewährt wurde ihm und seinen Gehilfen freie Unterkunft.

Geplant hatte Silbermann für das Aufsetzen, Intonieren und Stimmen des Instruments 16 Wochen. Die Orgel kam auf die Empore über dem Kanzelaltar der Kirche. Als Termin der Fertigstellung war Ende September vereinbart. Jedoch mit zwei Monaten Verspätung konnte sie geweiht werden. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt. Wer die Weihepredigt hielt, ist ebenfalls nicht überliefert. Der Reichenbacher "Advocat" (Rechtsanwalt) verfasste ein gedrucktes Orgelgedicht, dass die Qualität der Arbeit des Orgelbaumeisters mit den folgenden Worten würdigte: "Indem man sagt, ohne alle Schmeicheley, daß Silbermann gantz unvergleichlich sey ..."

Die weitere Geschichte des wertvollen Instruments gestaltete sich nicht reibungslos: Da sich die Orgel unmittelbar unter dem Kirchendach befand, drang Nässe in das Innere des Instruments. Wiederholt mussten Reparaturen ausgeführt werden. Als die Kirche für einen Neubau 1887 abgerissen wurde, erfolgte der Ausbau des Instruments mit der Maßgabe sie in den 1890 eingeweihten Neubau zu integrieren. Der Orgelbauer Carl Eduard Schubert war für den Wiedereinbau zuständig. Die Orgel kam über den Haupteingang gegenüber dem Altarraum. Schubert (1830-1900) aus Adorf, der zuletzt in Reichenbach lebte, baute insgesamt 18 Orgeln und restaurierte mehrere Instrumente. Allerdings erhielt Silbermanns Orgel einen neugotischen, dem Stil der Kirche angepassten Prospekt. Das Originalprospekt kam zum Verkauf - als schnödes Brennholz. Einige geschnitzte Elemente wurden jedoch aufbewahrt.

Im Laufe der Zeit gab es kleinere Veränderungen am Orgelwerk. Die Originaldisposition wurde Ende der 1980er-Jahre wieder hergestellt. Das ist deshalb so wichtig, da das Orgelspiel von heute nun wieder dem Original entspricht, das Silbermann gestaltet hatte. Die Besucher können daher tatsächlich in die Klangwelt des berühmten Meisters eintauchen.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.