Soloflötist: Nie Langeweile bei Bach

Nach mehr als vier Jahrzehnten Tätigkeit in Orchestern ist Musiker Meinolf Jennebach in den Ruhestand gegangen. Nun pflegt er andere Leidenschaften.

Reichenbach.

Der Soloflötist beziehungsweise die Soloflötistin eines Sinfonieorchesters trägt eine besondere Verantwortung. Er oder sie prägt entscheidend Klang und Zusammenhalt der Gruppe der Holzbläser. Bei der Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach hat seit ihrer Gründung im Jahr 1992 Meinolf Jennebach diese Rolle vorbildhaft ausgefüllt: Er verkörperte als Musiker die Zuverlässigkeit in Person und wirkte als Mensch besonnen, ausgleichend und warmherzig. Nun kann er, der zuvor bereits dem Staatlichen Sinfonieorchester Greiz angehörte, den verdienten Ruhestand genießen.

Der Musiker meint im Rückblick: "Es war eine schöne und hochinteressante Zeit. Ich hatte immer Freude an meinem Beruf." Er wird sein Instrument jetzt nicht aus der Hand legen, möchte seinen Leistungsstand im Wesentlichen halten und unterrichtet auch noch einige Stunden an der Greizer Musikschule "Bernhard Stavenhagen". Allerdings kann er sich nun in größerem Umfang seinen beiden Leidenschaften neben der Musik widmen: der Naturbeobachtung, wobei die Vogelwelt vornan steht, und der Literatur.

Jennebach stammt aus dem thüringischen Eichsfeld. Er wurde in Heiligenstadt geboren und wuchs im nahegelegenen Dorf Gerbershausen auf. Sein Interesse für Musik wurde früh geweckt. Die Großmutter väterlicherseits erzählte ihm oft von seinem im Krieg gefallenen Onkel, der Flötist gewesen war. Die Querflöte des nahen Verwandten wurde auch das erste Instrument des Jungen, der dank seines Fleißes und seiner Begabung die Musikschule Leinfelde und die Spezialschule für Musik in Berlin absolvierte. Von 1972 bis 1976 schloss sich ein Studium an der - wie die beiden Einrichtungen zuvor - den Namen Hanns Eislers tragenden Musikhochschule in der Hauptstadt an. Dort war der auch als Dirigent hervorgetretene Professor Reinhold Krug sein Lehrer. Danach begann seine Tätigkeit in Greiz, wo er zunächst für ein anderthalbes Jahr stellvertretender Soloflötist war, bevor er in die Position des Solobläsers aufrückte, die ihm später auch in der Vogtland Philharmonie angetragen wurde. Im Laufe der Zeit sind dem Eichsfelder die Werke Johann Sebastian Bachs und die russische Sinfonik des 20. Jahrhunderts besonders ans Herz gewachsen. So sei ihm Bachs Weihnachtsoratorium, das er unzählige Male mit aufführte, nie langweilig geworden. Ein anderes Stück, das noch öfter auf seinem Pult lag, war "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew: "Das ist ein regelrechtes Flötenkonzert. Und es wurde nicht leichter."

Nach 43 Jahren im Orchester bleiben auch Wünsche offen. So hätte Jennebach gern Igor Strawinskis legendäre, seinerzeit einen Theaterskandal verursachende, von brachialen Rhythmen geprägte Ballettmusik "Le Sacre du Printemps" ("Das Frühlingsopfer") als Bläser bewältigt. Dazu kam es nicht. Zu den schönsten Momenten seiner Laufbahn zählte zweifellos das Gastspiel der Vogtland Philharmonie 2018 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Jennebach: "Dort erlebten wir eine einzigartige Akustik und Atmosphäre. Unsere hochgesteckten Erwartungen wurden noch übertroffen."

Das Probespiel für die Stelle des Soloflötisten der Vogtland Philharmonie entschied unterdessen der Franzose Pantxoa Urtizbereo für sich. Es ist vorgesehen, dass er dem Orchester ab der nächsten Konzertsaison zur Verfügung steht.


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