Sparkasse muss Zinsen zurückzahlen

Das vogtländische Geldinstitut macht erneut mit seinen Prämiensparverträgen Schlagzeilen. Ein Beispiel aus Lengenfeld zeigt, dass jahrelang zu wenig Zinsen gezahlt wurden.

Auerbach/Lengenfeld.

Als die Sparkasse Vogtland im vergangenen Sommer 2300 Kunden ihre Prämiensparverträge kündigte, konnten Verbraucherschützer dies nur in Einzelfällen rückgängig machen. Jetzt stellte sich zusätzlich heraus: Das Geldinstitut hat offensichtlich jahrelang auch Fehler bei der Zinsanpassung gemacht. Auch eine Frau aus Lengenfeld sei betroffen, erklärt die Leiterin der Verbraucherzentrale in Auerbach, Heike Teubner.

Die Betroffene hatte 1999 einen Prämiensparvertrag bei der Sparkasse abgeschlossen. Dieser versprach mit wenig Risiko satte Gewinne. Je länger ein Sparer monatlich einen festen Betrag einzahlte, desto höher fielen die Prämien aus. Nach dem 15. Jahr bekam der Sparer 50 Prozent Prämie auf seine Einzahlungen. Der vereinbarte Zins war dabei variabel. Das Prinzip: Zu Beginn wurde ein Zins festgelegt, der eine Differenz zum Marktzins der Bundesbank aufwies. Diese Differenz musste über die ganze Laufzeit gleich groß bleiben, die Angleichung des variablen Zinses an den Marktzins monatlich erfolgen. Das heißt, die Kurven beider Werte sollten parallel verlaufen.

"Bei der Frau aus Lengenfeld war dies nicht so. Die Differenz schwankte zu stark", sagt Heike Teubner. Die Verbraucherzentrale gab bei einer Wirtschaftskanzlei in Selb ein Gutachten über die Vertragsunterlagen in Auftrag. Das Ergebnis: Die Zinsanpassungen der Sparkasse an den Marktzins waren fehlerhaft. Die Sparkasse Vogtland hatte der Frau jahrelang zu wenig Zinsen gezahlt.

Dieses Gutachten legte die Kundin bei ihrer Bank vor. "Die Sparkasse zierte sich anfangs", hält Teubner fest. Doch dann der Erfolg: Zwar zahlte die Sparkasse nicht vollumfänglich die im Gutachten festgestellte Forderung, erstatte der Frau aber 600 Euro. Eine Anfrage der "Freien Presse" blieb von der Sparkasse bislang unbeantwortet.

Auch andere Kunden seien von falschen Zinsanpassungen betroffen. "Es trifft fast alle Prämiensparer, insbesondere der Sparkassen Vogtland und Erzgebirge, aber auch Kunden anderer Banken", so Teubner.

Derzeit sind von Auerbach aus 45 Gutachten bei der Kanzlei in Selb in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse stehen noch aus. Die Kunden hätten aber gute Chancen, wie Teubner betont. Ein Gutachten bei der Wirtschaftskanzlei, das von der Verbraucherzentrale organisiert wird, kostet den Verbraucher 85 Euro und ist Grundlage für mögliche Verhandlungen mit den Banken. Zuvor sollte ein Beratungsgespräch mit der Verbraucherzentrale stattfinden.

Laut Teubner können Sparer mit hohen Einlagen auf Nachzahlungen bis zu 7000 Euro rechnen.

Ruf 03744 219641

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