Spiel zwischen Klassik und Moderne

Die Schüler der achten Klasse des Evangelischen Gymnasiums Mylau zeigten im Reichenbacher Neuberinhaus das Schauspiel "Gretchen im Netz". Die Akteure muten sich dabei viel zu.

Reichenbach.

Neben wohlgesetzten klassischen Versen behaupten sich munter heutige schnoddrige Kraftausdrücke. Ein ähnliches Hin und Her gibt es bei den Kostümen, wo es vom prallen mittelalterlichen Wams zur eleganten Lederjacke nur ein Katzensprung ist. So ging es zu Montagabend auf der Hinterbühne des Reichenbacher Neuberinhauses bei "Gretchen im Netz", dem Stück, das sich die achte Klasse des Evangelischen Gymnasiums Mylau unter der bewährten Leitung der Tanz- und Theaterpädagogin Manuela Richter erarbeitet hat.

Dabei muten sich die sechs Mädchen und elf Jungen nicht wenig zu. Sie reißen Szenen aus Johann Wolfgang von Goethes "Faust I" an, geraten mittendrin in die Gegenwart, in ihr eigenes Leben, müssen dann wieder zurückfinden in die klassische Vorlage. Dieses wiederholte Ein- und Aussteigen schafft überraschende Spielsituationen, erfordert enorme gestalterische Beweglichkeit, Sinn für doppelbödigen Humor und eine breite Palette an Emotionen. Da erfolgt etwa die Verjüngung Fausts in einer Schönheitsklinik überdrehten modernen Zuschnitts oder sucht der Held Gretchen per Internet-Chat näherzukommen. Dazu wird der Gang der Dinge - von der Wette zwischen Gottvater und Mephisto bis zum tragischen Ende Gretchens - auf offener Szene von einer Art Schülerchor kurz und knapp kommentiert. Das alles geschieht temporeich, plastisch und mit sichtlicher Spielfreude. Da wirkt nichts einstudiert. Allenfalls ist manchmal eine Art verschmitzte Distanz zur jeweils geschulterten Rolle zu spüren, was der Aufführung etwas im besten Sinne Heiteres, Entspanntes verleiht. Dem entspricht auch der überraschende Ausgang, den der Abend nimmt.


Zu erleben ist in der Inszenierung ein enorm wandlungsfähiges Gretchen (Marleen Jacobi). Ein mit allen Wassern gewaschener Mephisto (Zoe Hübschmann) tritt auf. Ein ohne viel Tamtam über den Dingen stehender Gott (Max Wunderlich) und ein von jugendliche Unruhe und Kraft erfüllter Faust (Markus Obenaus) sind zu erleben.

Kaum weniger wird in den scheinbar kleineren Rollen geleistet. Nikita Demange etwa kommt als herrlich eitler Schönheitschirurg daher. Luana Schöne verkörpert überzeugend Gretchens gestrenge Mutter, und Leo-Moritz Anlauft stellt ohne viel Worte einen äußerlich vertrottelten, in Wahrheit wohl höchst verschlagenen Hausmeistergehilfen hin.

Das nunmehr achte Stück Manuela Richters, das zum Ende eines Futurum-Schuljahrs zu sehen ist, fand am Montag wie die Vorgänger begeisterten Beifall.

Weitere Aufführungen: am heutigen Mittwoch ab 10 und 19 Uhr; am morgigen Donnerstag ab 10 Uhr.

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