Stadt hält Erinnerung wach

In Reichenbach ist der Opfer der Reichspogromnacht gedacht worden. Ohne Schüler, aber mit einem Versprechen.

Reichenbach.

In mahnender Erinnerung an die Opfer der Reichenpogromnacht hat Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) am Montagvormittag an der Gedenktafel vorm Rathaus ein Gesteck niedergelegt und ein Grablicht entzündet. Die Tafel ist den zu Zeiten des Nationalsozialismus vertriebenen und ermordeten Juden der Stadt gewidmet.

28 jüdische Bürger lebten 1933 in Reichenbach: Händler, Vertreter, Unternehmer. Am 9. November 1938 wurden sie in die Polizeiwache im Rathaus gebracht und ebenso schikanös wie entwürdigend "befragt". Schlägertrupps zerstörten ihre Schaufenster und Schaukästen. Rassistisch motivierter Hass mündete in Pogrome. "Das war der Auftakt zum Holocaust", erklärte der OB. "Es darf nicht vergessen werden, was an jenem 9. November geschah."

Auch wenn coronabedingt die Tour zu den neun für jüdische Opfer in die Gehwege eingelassenen Stolpersteinen entfiel, legten Bürger dort Blumen ab. Darunter befanden sich CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Hösl ebenso wie Mitglieder der Partei Die Linke. Ortsvorsitzender Johannes Höfer: "Hass und Hetze gegen Minderheiten dürfen nie wieder Handlungsleitfaden der Verantwortlichen in diesem Land sein."

OB Kürzinger ist es wichtig, der jungen Generation das Wissen über eine der dunkelsten Stunden deutscher Geschichte zu vermitteln. In diesem Jahr hätten Schüler des Futurum-Gymnasiums Mylau mit auf die Stolpersteintour gehen sollen. Durch Corona sei das jetzt untersagt. Zumindest befassten sich die Schüler im Vorfeld damit. Die Weinhold-Oberschule habe bereits im September eine eigene Stolpersteintour veranstaltet, wurde informiert.

Da die Gedenktafel am Rathaus immer schlechter zu entziffern ist, versprach der OB für Frühjahr 2021 neue Farbe. Und was die Opfer der Nazi-Diktatur angeht, wolle die Stadt den Blick weiten. "Wir haben das im Ältestenrat erörtert und wollen auch anderer Bevölkerungsgruppen gedenken, die verfolgt und vernichtet wurden", sagt Kürzinger. Das betreffe ermordete behinderte Menschen, politisch Verfolgte, Sinti, Roma und andere. Für diese Gruppen wolle man sogenannte Stolperschwellen setzen. Das Stadtarchiv müsse dazu noch Zuarbeiten leisten. Zu ergründen sei auch noch, inwiefern es in Mylau, das 2016 mit Reichenbach fusionierte, von 1933 bis 1945 jüdische Opfer gab.

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