Stolpersteine aufpoliert

Vor der Erinnerungstour stand in Reichenbach ein Arbeitseinsatz an. Das Gedenken an die Opfer des Faschismus hat indes noch Lücken.

Reichenbach.

Am morgigen Samstag jährt sich die Reichspogromnacht zum 81. Mal. Damals schlug der Rassenwahn der Nazis in offene und organisierte Gewalt gegen Juden um. Den Opfern wird in Reichenbach mit einer Stolpersteintour gedacht. Sie beginnt 10 Uhr vor dem Rathaus.

Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) wird an jedem der neun Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in die Gehwege eingelassen wurden und ermordeten oder vertriebenen jüdischen Mitbürgern gewidmet sind, etwas zum persönlichen Schicksal sagen. Außerdem wird an jedem Stein eine Rose niedergelegt und eine Kerze angezündet. Die Reichenbacher Bürger sind eingeladen, sich der Stolpersteintour anzuschließen.

Am Donnerstag haben Oberbürgermeister Kürzinger und die Auszubildende Luisa Brandenburg alle neun Stolpersteine mit Elsterglanz und Schwämmchen aufpoliert.

Gunter Demnig bezieht in seine "Kunstaktion für Europa" ausdrücklich Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, die Zeugen Jehovas und die "Euthanasieopfer" der NS-Zeit ein. Der OB hatte dazu im Vorjahr ein Forschungsprojekt zu ermordeten Reichenbacher Kranken und Behinderten angeregt. Zumal auch ein Projekt von Zwickauer Gymnasiasten mit Pfarrer Edmund Käbisch zu Tage brachte, dass 18 gebürtige Reichenbacher von der Landesheilanstalt Rodewisch in eine Tötungsanstalt gebracht und vergast wurden.

"Das Thema Euthanasie und das sich daraus ergebende Forschungsprojekt wurde noch nicht mit der Schulleitung der Weinhold-Oberschule besprochen", erklärte Stadtsprecherin Heike Keßler jetzt auf Anfrage. 2019 stünden die Themen 30 Jahre Mauerfall und Wiedervereinigung im Vordergrund der Schülerarbeiten. Der Ältestenrat des Stadtrates habe aber in diesem Jahr den Auftrag an das Stadtarchiv gegeben, einen Überblick über weitere mögliche Stolpersteine für Euthanasieopfer und andere zu erarbeiten. Die Akten von Pfarrer Käbisch wurden 2006 zur Aufbewahrung an das Stadtarchiv mit der Auflage übergeben, keine Einsicht an Fremde zu gewähren. Diese sei nur mit Genehmigung des Bundesarchives, des Eigentümers der Akten, möglich.

Der OB habe das Thema noch auf der Agenda. Es bleibe eine Anregung für die Zukunft. "Es handelt sich um ein umfassendes Forschungsthema, in das die Schüler eingebunden werden könnten", so Keßler.

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