Streit um Bau-Gutachten: Rathaus weist Vorwürfe zurück

Gibt die Lengenfelder Verwaltung dem Gutachter vor, zu welchem Ergebnis er kommen soll? Dies behauptet zumindest ein Stadtrat. Doch die Beschuldigten haben eine andere Erklärung.

Lengenfeld.

Es sind schwere Vorwürfe, die der Lengenfelder Stadtrat Volker Sönnichsen (BIL) sowohl gegen die Stadtverwaltung als auch gegen Gutachter Uwe Zahn aus Irfersgrün erhebt. Kern der Anschuldigung: Bei der Prüfung potenzieller Wohnbaustandorte in Lengenfeld und den Ortsteilen gebe die Stadt dem Planer das Ergebnis des Gutachtens vor. "Der Planer entscheidet im Sinne der Vorstellungen der Verwaltung", so Sönnichsen zur jüngsten Stadtratssitzung.

Uwe Zahn, der seit vielen Jahren auch als Planer für die Stadt tätig ist, und Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) verwehren sich im Gespräch mit der "Freien Presse" dagegen, abgesprochene Gutachten anzufertigen beziehungsweise in Auftrag zu geben.

Anlass zu dieser Attacke war die Befürwortung eines potenziellen Wohnbaustandorts in Weißensand am Gutsweg durch den Gutachter. Einige Grundstücke sollen dort nach den Vorstellungen des Ortschaftsrats mit einer Klarstellungs- und Ergänzungssatzung dem bebaubaren Innenbereich zugeordnet werden. Zahn sollte prüfen, ob eine entsprechende Planung Aussicht auf eine Genehmigung hat. "Es entstehen fünf bis sechs größere Baugrundstücke" sagte Bauamtsleiter Dirk Brandt zur Sitzung.

Sönnichsen war mit dem "Ja" des Gutachters zu diesem Projekt in Weißensand durchaus einverstanden. Aber er erinnerte an ein ähnliches Vorhaben in Lengenfeld, bei dem Zahn im November des vorigen Jahres zu genau der entgegengesetzten Einschätzung gekommen war. Damals ging es um die Schulstraße. Ein Antragsteller wollte im Außenbereich ebenfalls mit Hilfe einer Satzung Baurecht für ein Grundstück im Außenbereich geschaffen bekommen. Nach Sönnichsens Vorstellungen hätte Baurecht für mehrere Eigenheime entstehen sollen. Gutachter Uwe Zahn riet jedoch von diesem Vorhaben ab und hält es bis heute für nicht genehmigungsfähig.

Volker Sönnichsen äußerte zur jüngsten Stadtratssitzung den Verdacht, dieses Gutachten zur Schulstraße folge den Wünschen der Verwaltung. Schon im November vermutete er, die Stadt wolle kein Konkurrenzprojekt mit womöglich günstigeren Grundstückspreisen zum Wohnbaustandort Fichtengasse in nur 300 Meter Entfernung. Gegen Sönnichsens Vorwürfe wehrt sich Zahn: "Meine Beurteilungen fundieren auf Rechtsgrundlagen, das sind das Baugesetzbuch, dazugehörige Kommentierungen und Grundsatzentscheidungen von Gerichten." Sönnichsen, der individuelles Bauen außerhalb von Baugebieten unterstützen wollte, warf schon im November dem Gutachter eine falsche Beurteilung des Sachverhaltes vor. Mit seiner Auffassung stand er damals - genau wie heute - nahezu allein im Stadtrat.

Zahn nennt für sein "Ja" zu Weißensand und sein "Nein" zur Schulstraße eine andere Erklärung: Die Vorhaben Schulstraße Lengenfeld und Gutsweg Weißensand seien nicht vergleichbar. "An der Schulstraße steht eine einreihige Bebauung", so Zahn. "Diese Häuser bilden eine rückwärtige Bebauungsgrenze. Der Antragsteller wollte in die zweite Reihe bauen. Das geplante Gebäude wäre doppelt so groß gewesen wie die vorhandene Bebauung. Es hätte sich also nach Art und Weise nicht in die vorhandene Bebauung eingefügt." Dies seien aus seiner Sicht wesentliche Gründe, die gegen das Vorhaben sprechen. In Weißensand dagegen, am Gutsweg, bilde die vorhandene Bebauung eine Art Karree. Dieses bestehe aus 14 Gebäuden. Die geplante Bebauung füge sich mit ihren Einfamilienhäusern in das Gesamtbild ein und ergänze dieses. Weitere Gründe, die für eine Bebaubarkeit sprechen, schildert er im vierseitigen Gutachten.

Auch der Bürgermeister weist Sönnichsens Vorwürfe zurück. "Wir beeinflussen den Gutachter in keiner Weise. Wir arbeiten seit Jahren mit Herrn Zahn zusammen. Er hat immer eine gute Arbeit abgeliefert. Die Verwaltung ist auch nicht grundsätzlich gegen das Errichten von Einfamilienhäusern außerhalb der städtischen Wohngebiete. Die Weststraße ist ein gutes Beispiel. Dort entwickelt sich gerade ein richtiger Bauboom. Wenn einfaches Bauen möglich ist, sind wir natürlich für solche Projekte. Das Gleiche gilt für die Ortsteile. Wenn Aussicht auf Erfolg besteht, unterstützen wir solche Vorhaben. Grundsätzlich vertrauen wir auf die Gutachten von Herrn Zahn. Er ist der Fachmann."

1Kommentare

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    jokerjess
    10.07.2020

    Ich erinnere mich da an ein Haus in Waldkirchen was 0,0 zum Dorfcharakter passt aber trotzdem gebaut wurde. Soll sich doch jeder seine Meinung bilden