Tanz und Kochkunst führen Menschen zusammen

Beim ersten Inklusionsball der Lebenshilfe blieb im Neuberinhaus kein Platz leer. Mancher Gast hofft auf eine Fortsetzung.

Reichenbach.

Einer Tanzveranstaltung fast drei Stunden Programm voranzuschicken, ist schon etwas gewagt. Die Hauptsache könnte am Ende zu kurz kommen. Beim ersten Inklusionsball der Lebenshilfe Reichenbach am Samstag im Neuberinhaus, als es einen solchen Vorlauf gab, war kein Grund zur Sorge. Man begann schon um 18 Uhr. Es blieb genug Zeit für die 200 Gäste, sich im Anschluss nach den ansprechenden Klängen der jungen Dresdener Band Smart evidence zu vergnügen. Zudem war das, was vorher geschah, hochklassig, abwechslungsreich und zutiefst bewegend.

Torsten Stolpmann, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Reichenbach: "Einen besseren Auftakt für unseren Ball kann man sich kaum vorstellen." Er sagte das unter großem Beifall nach dem ersten Punkt des Abends, dem Konzert der Vogtland Philharmonie.


Unter einem Musizierfreude pur verkörpernden und gekonnt moderierenden Generalmusikdirektor Stefan Fraas ließ der in Gala-Kleidung auftretende Klangkörper, der seit 1990 schon 26 Wohltätigkeitskonzerte für die soziale Einrichtung bestritt, einen beeindruckenden Querschnitt durch Filmmusik und Musical hören. Da ging es locker von einem Sound zum anderen, fehlte es weder an Power noch an wunderbaren Ruhepunkten, boten das Popgesang-Trio Voc A Bella und die Trompetengruppe des Orchesters exzellente Soli. Nach diesem Entree war im Foyer des Neuberinhauses zum Büfett eingeladen, das Carlis Lebenshilfe-Kochwerkstatt angerichtet hatte und das seinem Motto "Streifzug um die Welt" alle Ehre machte. Neben Raritäten wie einem peruanischen Schokoladenhuhn und neuseeländischem Känguruh-Gulasch kamen auch mit "Erdäpfelkung" und Bambes heimische Köstlichkeiten nicht zu kurz. An gleicher Stelle konnten die Dienste des agilen Fotostudios Andreas Wetzel in Anspruch genommen werden.

Der folgende Programmteil stand im Zeichen der von Steffi Pausch und Jörg Dünnbier geleiteten Auerbacher Tanzschule 1-2-Step. Dank der Verbindungen des Unternehmens und seines Einsatzes für behinderte Menschen konnten drei faszinierende Spielarten des Tänzerischen bewundert werden. Die "Let's-dance"-Sieger von 2017, Ekaterina Leonova und Gil Ofarim, zeigten Proben ihrer ausdrucksstarken, vielfältige Einflüsse verratenden Bewegungskunst. Der in einer Behindertenwerkstatt arbeitende Daniel Pausch und die Gymnasiastin Alina Klöden legten einen unter die Haut gehenden Tango hin. Schließlich füllten zwölf sich mitreißend bewegende Paare die Bühne, Kolleginnen und Kollegen aus der Lebenshilfe-Werkstatt, die vier Monate lang, behutsam von Jörg Dünnbier angeleitet, geübt hatten. Schließlich vereinten die Tänzer ihre Kräfte bei einem Wiener Walzer.

Zu dem von der Soziallotterie "Aktion Mensch" unterstützten Inklusionsball, den die Lebenshilfe in großen Teilen selbst gestaltete, gab es durchweg lobende Stimmen. Reichenbachs OB Raphael Kürzinger (CDU) sprach von einem "Beispiel gelebter Inklusion". Er sei stolz darauf, dass sachsenweit erstmals in dieser Form ein belebendes Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen gelungen sei. Dietmar Hansel aus Hauptmannsgrün, der mit seiner Frau Ramona den Abend besuchte, meinte: "Wir sind von dem, was wir heute erlebt haben, sehr angetan. Unser Sohn war unter den Tänzern und glücklich, dass er zeigen konnte, was er gelernt hat, wie er vorangekommen ist. Es wäre schade, wenn es im nächsten Jahr nicht einen zweiten solchen Ball gibt."

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