Taubenplage: Kirchgemeinde hofft auf Rückkehr des Falken

Nistkästen ermöglichen das Zusammenleben von Menschen und Vögeln im Gotteshaus. Bei Tauben ist das Gebäude offenbar eine Art "Geheimtipp". Doch da hört der Spaß auf.

Mylau.

Vogelschutz und Gebäudeschutz gehen an der Mylauer Kirche seit langer Zeit Hand in Hand. Fünf Nistkästen für Dohlen gibt es dort schon seit 14 Jahren, auch zwei Kästen für Turmfalken, die bis 2017 bewohnt waren. "Leider sind die Turmfalken seit zwei Jahren nicht mehr wiedergekommen. Warum weiß ich nicht. Wir bedauern das sehr", sagt Kirchgemeindemitglied und Günter Kempe aus Rotschau. Der frühere Bauingenieur betreut seit 2005 ehrenamtlich die Bauarbeiten an der Kirche. Das Ausbleiben der Falken bedauert Kempe, weil seitdem die wilden Stadttauben als unerwünschte Gäste Einzug gehalten haben. Der aggressive Taubenkot sorgt nicht nur für Verunreinigungen. Er greift auch die Bausubstanz an. "Sogar Klinker verätzt dieser Kot", so Kempe. Jeden Abend versammle sich ein Taubenschwarm, bestehend aus mehr als 100 Tieren auf der Kirche, die als Schlafplatz dient. "Selbst über dem Haupteingang sitzen die Tiere. Ihre Hinterlassenschaften müssen wir regelmäßig wegräumen", so Kempe.

Während die Turmfalken in der Kirche nisteten, war das Taubenproblem auf ein erträgliches Minimum reduziert, denn die Tauben stehen auf der Speisekarte der Falken. Im Moment wissen die Verantwortlichen der Kirchgemeinde kaum noch, wie sie sich der Tauben erwehren sollen. "Wir haben sensible Bauteile schon mit Netzen oder Gittern überspannt und abgedeckt und auf Brüstungen Spikes angebracht, um den Tauben ihre Sitzflächen so unangenehm wie möglich zu gestalten. Doch wir können schließlich nicht die ganze Kirche mit Netzen und Gittern überziehen", sagt Kempe. Gerade die kleinteilig gebaute Mylauer Kirche mit ihren vielen Brüstungen, Türmchen und Fensternischen gilt unter Tauben offenbar als Geheimtipp. Kempe: "Ich glaube fast, in dem Maße, wie den Tauben anderenorts der Aufenthalt erschwert wird, kommen sie zu uns."


Auch wenn die Tauben weniger gern gesehene Gäste am Kirchgebäude sind, herrscht in der Mylauer Kirchgemeinde die Meinung vor, dass Christen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus im Vogelschutz engagieren sollten, denn: "Wir sind für alle Geschöpfe verantwortlich", sagt Kempe. Vogelschutz an Kirchgebäuden lasse sich außerdem mit relativ wenig Aufwand umsetzen. "Vorn eine Öffnung und hinten ein paar Bretter. Das ist alles", beschreibt Kempe die unkomplizierte Bauweise der Nistkästen. Die Dohlen seien, was die Störanfälligkeit etwa durch Bauarbeiten betrifft, recht robust. "Selbst als wir Eisenträger durch die Schalllamellen geschoben haben, ließen sich die Vögel davon wenig beeindrucken", hat Kempe beobachtet. Zuverlässig brüten die Dohlen jedes Jahr in den für sie vorgesehenen Nistkästen. Seitdem geht es wesentlich sauberer im Kirchturm zu: Kein herumliegendes Nistmaterial, kein Vogelkot. Beratend steht den Kirchgemeindevertretern der Ornithologe Karl-Heinz Roth aus Netzschkau, Mitglied im Verband Sächsischer Ornithologen zur Seite. "Die fachliche Anleitung war für uns sehr hilfreich", blickt Kempe auf 14 Jahre Zusammenarbeit mit dem Vogelexperten zurück.

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