Textile Weltklasse aus Lengenfeld

14 Berufsschullehrer lernen Textilausrüster Pfand kennen. Die ganze Branche sucht Nachwuchs und bietet nun im Osten Löhne auf Westniveau.

Lengenfeld.

Mit einem Besuch in der Textilausrüstung Pfand in Lengenfeld starteten 14 sächsische Berufsschullehrer am Dienstag ein dreitägiges Weiterbildungsprogramm im Vogtland. "Diese Veranstaltung jedes Jahr im Herbst ist für uns sehr wichtig. Wir müssen am Ball bleiben, um den jungen Leuten den aktuellen Stand der Technik vermitteln zu können", sagt dazu Kathrin Brückmann, Berufsschullehrerin aus Plauen.

Beim Textilausrüster Pfand, den Geschäftsführer Holger Erth leitet, waren die 14 Frauen genau an der richtigen Stelle, um breit gefächerte Innovation am praktischen Beispiel zu erleben. Der kleine Betrieb mit 20 Mitarbeitern ist sehr vielfältig aufgestellt: Etwa 90 verschiedene Technologien kommen zum Einsatz. Entsprechend groß ist die Palette der Textilien, die beim Ausrüster vor der Konfektionierung sozusagen ihren letzten Schliff bekommen.

Technische Textilien sind das größte Thema. Sie machen deutschlandweit gesehen 50 Prozent der textilen Produktion aus, sagt Peter Werkstätter, Geschäftsführer vom Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie mit Sitz in Chemnitz. "Technische Textilien haben in den letzten 15 Jahren in vielen Branchen Einzug gehalten, in der Automobilindustrie sowieso, beim Flugzeugbau oder auch im medizinischen Bereich. Technische Textilien stecken auch in Werkstoffen, wo man sie nicht vermutet", so der Geschäftsführer.

Neben technischen Textilien rüstet Holger Erth auch Heimtextilien sowie Hotelausstattungen oder Krankenhautextilien aus, aber auch Theatervorhänge oder wertvolle Wandverkleidungen für Schlösser und Burgen. Je nach Kundenwünschen reicht die Palette von antibakterieller Ausrüstung über Flammschutzausrüstung bis hin zu Fleckschutzausrüstung.

Auch auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung neuer Maschinen, Technologien oder Chemikalien mischt der Lengenfelder Textilausrüster mit. "Wir erproben neue Textilchemikalien in der Praxis, arbeiten mit Maschinenbauern zusammen und entwickeln neue Technologien", so Erth.

Werkstätter fügte hinzu: "Was hier in Lengenfeld zur Anwendung kommt, hat Weltmarktniveau und gehört zum Besten, was es gibt." Es stimme, so Werkstätter weiter, fast der gesamte Nähprozess sei ins Ausland verlagert, doch selbst hier gebe es Ausnahmen. In einem Atemzug nannte Werkstätter Bruno Banani in Chemnitz und Seidel-Moden in Schreiersgrün. Er stellte der ostdeutschen, insbesondere der sächsischen Textilindustrie, ein ausnahmslos gutes Zeugnis aus. Alle Produktionsgänge, von der Spinnerei bis hin zur Konfektion sind in Sachsen vertreten. "Das ist in Europa so gut wie einmalig und für uns ein Alleinstellungsmerkmal", sagte Werkstätter.

Nach dem Niedergang der Textilindustrie in den 1990er Jahren mit ursprünglich 320.000 Beschäftigten habe sich die Branche auf niedrigerem Niveau mit jetzt 16.000 Beschäftigten seit vielen Jahren stabilisiert. "Welche Branche kann das schon von sich behaupten", nennt Werkstätter die Pfunde, mit denen dieser Wirtschaftszweig wuchern kann. Die Löhne der Textilbranche im Osten seien denen im Westen angeglichen, außerdem wachse die Branche durch steigenden Export.

Die Berufsschullehrerinnen erwartete nach einer Einführung durch den Geschäftsführer ein Betriebsrundgang. Längst übersteige die Nachfrage der Textilbetriebe das Angebot an Lehrlingen. Vier Berufsschulen in Löbau, Freital, Dresden und Plauen kümmern sich um den textilen Nachwuchs, so Fachberaterin Heike Gläßer aus Dresden, die seit zehn Jahren Weiterbildungsveranstaltungen quer durch Sachsen organisiert. Zehn Ausbildungsberufe stehen demnach zur Auswahl, dazu gehören Textilveredler, Anlagen- und Maschinenführer, Textilmechaniker oder auch Maßschneider.

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