Thüringer Solist zaubert mit dem Fagott

Vogtland Philharmonie spielt Musik aus Frankreich und Italien

Reichenbach.

Die Abkehr von der Tradition, von Bach, Beethoven und Brahms muss nicht zu einer Musik führen, die Marter für die Ohren ist. Das Sechste Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie am Mittwochabend im Reichenbacher Neuberinhaus lieferte dafür mit dem Fagottkonzert des Franzosen André Jolivet ein überzeugendes Beispiel.

Im 1954 uraufgeführten Stück wechseln scheinbar nach Belieben Stimmung, Tempo und Charakter. Jolivet beansprucht das Soloinstrument bis in extreme Tonlagen und lässt es oft tüchtig mit dem Orchester aneinandergeraten. Da kann vom gedeihlichen Miteinander, von Harmonie im herkömmlichen Sinne kaum noch die Rede sein. Heraus kam dennoch Hörenswertes. Es ist vor allem die nie versiegende Fülle origineller Einfälle, die Abwesenheit von Langeweile und Betulichkeit, die dem Werk die Sympathien des Publikums sichern. Voraussetzung ist, dass - wie am Mittwoch der Fall - die richtigen Interpreten versammelt sind. Der aus Weimar stammende, demnächst in der NDR Elbphilharmonie wirkende Fagottist David Spranger hat das nötige Temperament und Rhythmusgefühl, auch den hinreichend kräftigen, dabei stets rund und geschmeidig bleibenden Ton für diese Aufgabe. Die unter ihrem künftigen Chefdirigenten Dorian Keilhack spielende Philharmonie zog prächtig mit und hatte in Galina Nikitenko (Harfe), Sarah Stamboltsyan (Klavier) und Sergei Synelnikov (Violine) Solisten, die Ausgezeichnetes leisteten. David Spranger zeigte sein Können noch bei Gioacchino Rossinis von Mozartschem Esprit erfülltem Fagottkonzert. Da wusste man nicht, was mehr zu loben war: die lupenrein gemeisterten virtuosen Passagen oder die innig singenden Takte.

Das Programm wurde durch Stücke von Maurice Ravel ergänzt, bei denen Keilhack und das Orchester Akzente setzten. Ravels "Le tombeau de Couperin", das der französischen Barockmusik wie auch im ersten Weltkrieg gefallenen Freunden Ehre erweist, verkörperte klangliche Vielgestalt und Schönheit. Es entfaltete Tiefe und Kraft. Der den Abend krönende "Bolero" lebte nicht nur von der Farbigkeit der Instrumentation und der sich steigernden Lautstärke; Keilhack erreichte eine von Takt zu Takt schärfer werdende rhythmische Durchzeichnung. Er konnte dabei auf Kay Klipfel bauen, der die Kleine Trommel zum Instrument werden ließ, das vor niemandem und nichts Angst zu haben braucht.


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