Träume aus Ton kommen an

Die Netzschkauer "Sonnen-Keramik" füllt offenbar eine Marktlücke. Seit der Eröffnung des Ladens vor knapp einem Jahr läuft die Produktion von Präsenten mit Augenzwinkern auf Hochtouren.

Netzschkau.

Als am Abend der Geschäftseröffnung vor knapp einem Jahr sämtliche Regale leergekauft waren, dachte sich Doreen Maynicke: "Das kann ja so nicht weitergehen. Doch es ging so weiter." Die Angebote der Kunsthandwerkerin an jenem Samstag mit seinen mehr als 250 Kunden hatten offenbar in einer Marktlücke Platz gefunden. Und finden weiter Platz. "Ich habe fortan rund um die Uhr zu tun gehabt. Zu Jahresbeginn ebbte die Nachfrage etwas ab, seit Ostern zieht sie wieder an. Auch meine Keramik-Kurse sind gut gebucht", erzählt Doreen Maynicke. In ihrer "Sonnen-Keramik" an der Netzschkauer Lessingstraße bietet die gelernte Bürokauffrau Tonarbeiten für jeden Anlass an, die nicht von der Stange kommen: Von der Geburt über Schulanfang, Hochzeit bis hin zum Trauergeschenk - Präsente mit Augenzwinkern, nennt sie Doreen Maynicke, die viele ihrer Art wegen einfach nur "Sonne" nennen.

Und das scheint neben der unverwechselbaren Handschrift der Arbeiten Grund für die Nachfrage zu sein. "Heute hat ja im Prinzip jeder alles. Die Leute wollen mehr Präsente mit individueller Note schenken. Insofern habe ich mich mit dem, was ich ursprünglich wollte, nicht geirrt." 90 Prozent der Sonnen-Produkte sind nämlich bestellte Produkte. Für Privatpersonen, Firmen oder auch Vereine: Die Kunden machen Vorschläge, und Doreen Maynicke zaubert einen Entwurf aufs Papier. "Manchmal habe ich natürlich auch freie Hand. Immer aber trägt das Präsent meine Handschrift."


Die Palette der Tonfiguren reicht vom Lkw (als Geschenk für den Brummifahrer) über das nachgebildete Wohnhaus (für eine Goldene Hochzeit), Werbeschilder und Abschiedsgeschenke für verdiente Mitarbeiter (Sekretärinnen am Schreibtisch) bis hin auch zu durchaus frivolen Bestellungen. Wer dazu ein weiteres Augenzwinkern gesellen will, bedient sich bei den Miniaturen, deren Lesart sich über eine Bezeichnung erschließt. Da gibt es zum Beispiel ein Miezhaus (ein Mietshaus mit Katze), einen Schleifbock (Ziegenbock mit Schleife), einen Stinkstiefel (wirklich stinkig dreinschauender Stiefel) oder einen Eisvogel (Vogel mit Tüte Eis) und viele andere Sachen. "Das alles fällt mir einfach ein, dann setze ich es um", erzählt Doreen Maynicke.

Derzeit sind Stockente und Dreckspatz in Arbeit. Bis zum Tag der offenen Tür am 17. Juni kommen weitere Sympathieträger dazu. "Für mich war die Eröffnung des Ladens ein Glück. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, ins Büro zu gehen", sagt Doreen Maynicke, die beim Besuch einer tunesischen Töpferei 1994 Blut geleckt hatte. Das sich daraus entwickelnden Hobby hatte sie im Vorjahr zum Beruf gemacht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...