Traumjob auf dem Dorf gefunden

Nach dem Studium in den Kindergarten nach Hauptmannsgrün. Für zwei junge Erzieher gibt es dafür gleich mehrere gute Gründe.

Hauptmannsgrün.

Dominik Völker aus Lengenfeld hat einen lauten Arbeitsplatz. Manchmal fragen ihn Freunde, wie er das aushält. Dann lächelt er und sagt: "Mit Ruhe, Gelassenheit und Geduld." Der junge Mann arbeitet als Erzieher in der Awo-Kindertagesstätte "Löwenzahn" in Hauptmannsgrün. Das ist sein Traumjob. Er kann sich nichts Besseres vorstellen. Dort ist er mit seinen 22 Jahren Mitglied des jüngsten Awo-Kindergartenteams im Raum Reichenbach - aktuelles Durchschnittsalter: 29 Jahre.

Und als ob der junge Mann zwischen all den Frauen nicht schon eine Besonderheit für sich wäre, gibt es gleich noch einen zweiten Erzieher im Team: Alexander Kurth, auch 22 Jahre. "Unsere Awo-Geschäftsstelle hat mir gesagt, dass in dieser Kindertagesstätte schon seit 30 Jahren immer das jüngste Team gearbeitet hat", berichtet Leiterin Lisa Rehwald. Auch sie hat voriges Jahr wie die beiden jungen Männer ihr Studium abgeschlossen. Die Lengenfelderin zählt mit ihren 23 Jahren zu den jüngsten Leiterinnen beim freien Träger. Weitere fünf junge Frauen gehören zum Team. Gemeinsam haben sie am gestrigen Freitag das 30-jährige Bestehen der Einrichtung mit einem kleinen Fest für die Kinder gefeiert.

Was bewegt junge Leute nach dem Studium, sich ausgerechnet eine Arbeitsstelle auf dem Dorf zu suchen, wo es doch die meisten Absolventen in Großstädte zieht? Für Lisa Rehwald gibt es nichts Schöneres, als auf dem Dorf zu arbeiten: "Hier können wir viel in die Natur gehen. In unserer Einrichtung gibt es jede Woche einen Waldtag." Unter den Bäumen gehen die Kinder aber nicht nur spazieren. "Die Kinder lernen die Baumarten kennen. Wir erklären ihnen die Namen von Pflanzen und Tieren. Selbst Zahlen und Farben kann man im Wald bestens üben", berichtet sie. "Da gibt es sogar Zweijährige, die können schon Himbeeren und Brombeeren auseinanderhalten." Dominik Völkers Geschichte klingt noch ungewöhnlicher. Er sagt: "Als Kind habe ich den Kindergarten gehasst. Das lag aber nicht an den Erzieherinnen, die waren alle ganz nett zu mir. Ich hatte einfach keine Lust auf Kindergarten." Das änderte sich schlagartig, als Dominik 13 Jahre alt war und in der 7. Klasse einen Praktikumsplatz suchte. "Handwerk war nicht so meins. Da fiel mir plötzlich mein alter Kindergarten wieder ein. Nach dieser einen Woche Praktikum war mir klar, was ich werden wollte: Erzieher. Seitdem habe ich meinen ganzen beruflichen Weg auf diesen Berufswunsch aufgerichtet." Dem sozialen Fachabitur folgte ein Studium der Elementarpädagogik. In die Stadt zu gehen, das war für den jungen Mann nie eine Überlegung. "Mir gefällt es auf dem Dorf, und schließlich werden auch auf dem Land Erzieher gebraucht", sagt Dominik Völker. Mit den jungen Neuzugängen ist das Team in der Kita Löwenzahn jetzt wieder komplett.

Die Kinder feierten am Freitag in Coronazeiten im kleinen Kreis und ohne Eltern. "Wir sind froh, überhaupt wieder etwas machen zu können", sagt Lisa Rehwald. Die Eltern hätten Verständnis für diese abgespeckte Variante. Ursprünglich war ein größeres Fest am Samstag geplant. Zauberer Eric Müller aus Plauen hatte am Vormittag einen Auftritt. Nachmittags futterten die Kinder aufgeplusterte Maiskörner aus der Popcorn-Maschine. Es gab Fingerfood und eine Schwarzlicht-Party, bei der Neonfarben und weiße Kleidung durch besondere Lichteffekte im Dunkeln leuchten.

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