Ufos überm Vogtland? Anrufer spekulieren

Olaf Graf aus Schönbrunn hat derzeit als Sternwartenleiter viele Fragen zu den Internet-Satelliten von SpaceX zu beantworten. Wenn das Wetter hält, sind die im November ausgesetzten Satelliten noch einige Male zu sehen.

Schönbrunn.

Als die Menschheit mit "Sputnik 1" vor 62 Jahren den ersten Schritt in den Weltraum setzte, war dies vor allem eine medial in Szene gesetzte Sensation. Zu Gesicht bekommen hat man den Satelliten nicht, dafür war er mit 58 Zentimetern Durchmesser viel zu klein. Heute hat man angesichts Abertausender aktiver und ausgedienter Satelliten Glück, wenn man den Sternenhimmel so genießen kann wie vor 1957. Und wenn das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX und andere Firmen ihre Satelliten-Pläne umgesetzt haben, präsentiert sich das Firmament wohl möglich öfter so wie in diesen Tagen im Vogtland.

Aufgereiht wie an einer funkelnden Perlenkette tauchen in den Morgenstunden bei besten Beobachtungsbedingungen Dutzende der in diesem Jahr von SpaceX um Milliardär Elon Musk ins All geschossenen Internet-Satelliten auf. Die hell wie Sterne leuchtende Armada ist derzeit 122 Satelliten stark und soll im angepeilten Ausbaustadium des weltumspannenden Internet-Programms "Starlink" bis 2027 auf 12.000 Satelliten anwachsen. Im Mai waren die ersten 61 Satelliten ins All befördert worden, die jetzt über dem Vogtland auftauchenden gehören zur "Starlink"-Fracht, die eine "Falcon"-Rakete Mitte November im Orbit platzierte, informiert Olaf Graf aus Schönbrunn, den das Phänomen nicht nur als Fotograf im heimischen Garten beschäftigt.

Als Leiter der Rodewischer Sternwarte hat der Astronom viele aufgeregte Vogtländer am Hörer. "Es rufen jede Menge Leute an. Einige sagen, sie hätten ganz klar Ufos gesehen. Die Rede war auch von koreanischen Spionagesatelliten, das ganze Spektrum der Verschwörungstheorien. Nur wenigen konnte ich nicht ausreden, was sie zu sehen geglaubt haben." Wahrscheinlich weicht deren Skepsis, wenn SpaceX sein via Laserlinks vernetztes Satellitennetz in einer ersten Stufe für den US-amerikanischen Markt in Betrieb nimmt - 2020 soll das wohl sein.

Die nicht nur von Astronomen unter den Stichworten Weltraummüll und Himmels-Aufheller kritisch gesehene Aufrüstung des Orbits bescherte Olaf Graf am Donnerstagmorgen eine tolle Aufnahme des Satellitenstroms. "Insgesamt habe ich in einer knappen halben Stunde etwa 50 Stück gezählt, die alle auf ähnlichen Bahnen von West nach Ost gezogen sind. Viele sind überraschend hell. Musk hat sie wohl doch nicht wie angekündigt schwarz gestaltet. Im Hauptsichtbarkeitsfenster liegt ihre Helligkeit bei drei Größenklassen. Das entspricht einem mittelhellen Stern", berichtet Olaf Graf, der eine gute Nachricht für alle Interessenten hat: Das Schauspiel wiederholt sich in diesen Tagen - gutes Wetter vorausgesetzt. So am heutigen Freitag in der Zeit etwa von 5.30 bis 6.30 Uhr mit Dutzenden "Starlink"-Satelliten.

Im Vogtland genießt das Thema Satellit und Co nicht erst seit dem Sternenflug von Sigmund Jähn besondere Beachtung. Lange hieß es, der seinerzeit am Rodewischer Gymnasium stationierten Sternwarte um deren Leiter Edgar Penzel wäre am 8. Oktober 1957, 4.55 Uhr die weltweit erste Sichtung von Sputnik 1 gelungen - das war aufgrund der Größe des Satelliten unmöglich. Was Penzel und seine Schüler als leuchtendes Pünktchen sahen, war die letzte Stufe der Trägerrakete, die den Satelliten ins All gebracht hatte.

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