Urlaub vor der Tür

Das 100-jährige Bestehen der Reichenbacher Gartensparte Süd wurde kürzlich groß gefeiert. Familie Köhler fühlt sich dort auch an gewöhnlichen Tagen pudelwohl.

Reichenbach.

Einen Garten in einer Gartensparte? "Aber immer", meint René Köhler, der gleich zwei Gärten in der Kleingartenanlage Süd am Fuße der Schönen Aussicht gepachtet hat.

Mit dem einen ist er schon von Kindesbeinen an vertraut. Den anderen hat er dazu genommen, als ihn sein Vater aufgab. Damit ist für die Kinder Danica (8) und Damien (5) genug Platz zum Spielen und für andere Dinge. Sie haben ein großes Trampolin, mehrere Schaukeln und andere Spielsachen. Der Pool soll auch wiederaufgebaut werden. Zur Familie gehören noch Franziska Köhler, die es der Liebe wegen aus dem Norden ins Vogtland zog und Hund Odin, der seinen Namen schon hatte, als er zu Köhlers kam.

Es war im Sommer 2015, als die Familie die erste Umgestaltung der Gärten in Angriff nahm. Die Mutter: "Urlaub war für uns nicht eingeplant, unsere Wohnung lag direkt an einer viel befahrenen Straße, wir hatten keine Möglichkeit, mit den Kindern rauszugehen. Da haben wir uns den Urlaub vor die Tür geholt." Sie arbeitet in der Altenpflege und absolviert noch eine Qualifikation. Ihr Mann ist auf dem Bau beschäftigt und auf Baustellen in der näheren Umgebung tätig. Inzwischen bewohnen sie ein Haus in der Altstadt, allerdings ohne großes Grundstück. Der Weg zum Garten ist nicht weit.

Der Familie kommt entgegen, dass die Regeln nicht mehr so streng wie früher sind, wo der Anteil an Obst- und Gemüseanbau im Garten streng reglementiert war. Im Gewächshaus wachsen Gurken und Tomaten, auf dem Beet Zucchini und Bohnen. Letzteren hat der Wassermangel inklusive Hitze zugesetzt. An den Sträuchern waren Johannis- und Himbeeren. Auch die Erdbeerernte ist abgeschlossen. Der Vater: "Die Kinder sehen, wie die Sachen wachsen. So können wir ihnen ein Stück Natur geben. Und ich bin stolz auf das, was wir hier schon geschafft haben." Die Mutter ergänzt: "Unseren Kleinen haben wir durch den Garten an Obst und Gemüse herangeführt. Er sieht, wie es wächst und nascht auch." Ihre Schützlinge laufen durch den Garten und sammeln Kräuter für einen Hexentrank.

Einig sind sie sich auch darin: Ein Garten macht Arbeit! René Köhler: "Wir versuchen immer, am Wochenende in den Garten zu gehen. Im Urlaub wohnen wir hier." Er zeigt auf den Bungalow, in dem ein Doppelstockbett für die Kinder steht. Die dürfen dann auch mal länger aufbleiben, vor allem in den Ferien oder freitags und samstags. Franziska Köhler: "Die Leute hier sind ganz freundlich, wir kommen gut miteinander aus. Schade ist nur, dass kaum junge Familien da sind. Wir könnten manches zusammen machen, die Kinder miteinander spielen."

Dass sich die Familie im Kleingartenverein wohl fühlt, beweist sie mit der Teilnahme an Arbeitsstunden oder der Übernahme von Aufgaben beim Sommerfest, das jüngst anlässlich des 100-jährigen Bestehens gefeiert wurde. Franziska Köhler: "Zur Festveranstaltung haben wir fast nur Leute über 60 gesehen. Wir waren die Jüngsten. Wenn nichts Junges nachkommt, stirbt der Gartenverein aus."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...