Vermeintliche Morddrohung sorgt für Verwirrung

Baumfällaktionen unter Kritik - OB fordert von Bürgern Vertrauen ein

Reichenbach.

Dass ein Teil der Bürger die Baumfällaktionen im Wohngebiet Reichenbach-West kritisch sieht, ist bekannt. Jetzt aber soll es sogar Morddrohungen gegeben haben. Stephan Hösl (CDU) sprach das jetzt in der Stadtratssitzung an. Die erwartbare Reaktion: "Das führt zu weit! Das wird von uns nicht akzeptiert", sagte Henry Ruß (Linke). Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) pflichtete ihm bei: "Das kann ich nur unterstreichen." Daniela Raschpichler, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft, hielt indes in der Sitzung fest: "Von Morddrohungen weiß ich nichts."

"Freie Presse" hakte nach: Woher hatte Stephan Hösl die Information über Morddrohungen? "Vom OB", sagte er. Und woher hatte der sie? "Kurz vor der Stadtratssitzung hatte ich das von jemandem gehört", erklärte der OB. Hatte er die Aussage überprüft? "Nein." Er habe ja nicht ahnen können, dass Stephan Hösl das gleich weitererzählt, so der OB.

Zur Sache selbst erklärte Raschpichler: "Wir roden massiv Bäume und schneiden Sträucher zurück, im Plattenbau- und im Wasserturmgebiet." Sie kenne die Kritik. Die Woba kläre in der Mieterzeitung, in Hausaushängen, auf Facebook und im persönlichen Gespräch auf. Einzelnen Leuten könne man es aber nicht recht machen. Dabei habe die Woba das Umweltamt und den Förderverein Parkanlagen mit im Boot und arbeite mit Fachfirmen. Peter Tillack (Bitex), der dem Parkanlagenverein vorsteht, bewertete die Maßnahmen als positiv. Die Pflege der Bäume und Sträucher sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Es brauche eine grundsätzliche Lösung, um attraktive Außenanlagen zu schaffen. "Wir müssen attraktiver werden", fand auch Thomas Höllrich (Linke). Er sei dafür, dass der Stadtrat die von der Woba-Chefin angeregte Initiative zum Zugzug von 300 Familien aufgreift und fördert.

OB Kürzinger rieb sich am aggressiven Ton auf Facebook. "Ich erwarte von den Bürgern auch ein Grundvertrauen in das Handeln der Stadt. Hier ist nicht Wild-West." Gesetze und Verordnungen würden alles regeln. Reichenbach brauche Grünflächen, aber auch neue Parkplätze im Plattenbaugebiet. Auf Facebook gebe es indes, so der OB, "immer nur Hetzkampagnen". Man sollte "einfach mal fragen, bevor man einen Shitstorm loslässt".


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