Vier Bläser halten die Zuhörer in Atem

Zwickauer Stadtpfeifer bieten in Neumark Musik aus fünf Jahrhunderten

Neumark.

Anderthalb Stunden lang stillsitzen und nichts anderes tun, als geduldig zuhören. Am Montag in der Neumarker Kirche, beim jüngsten Konzert des Reichenbacher Orgelsommers, fiel das nicht schwer. Die musikalischen Gäste des Abends, die Zwickauer Stadtpfeifer, boten eine außerordentliche musikalische Qualität und ein breites, Stücke aus fünf Jahrhunderten versammelndes Programm.

Neben Meistern des Frühbarock wie Giovanni Gabrieli oder dem Wiener Klassiker Joseph Haydn kamen auch Sparten à la Spiritual und Blues zum Zuge.

Das war es aber nicht allein, was die Trompeter Matthias Härtig und Mario Richter, den Hornisten Thomas Knoll und den Posaunisten Dorean Müller auszeichnete. Das 1995 gegründete Ensemble musizierte auch innerhalb der einzelnen Kompositionen farbig, wartete mit überraschenden Wendungen auf, verlor nie das Moment der Abwechslung aus dem Blick. Da kamen die Töne bald drucklos aus dem Nichts, bald brachen sie sich mit markantem, fanfarenartigem Anstoß Bahn. Wo immer es sich aus dem Gang der Musik ergab, wurden mitreißende dynamische Höhepunkte geformt.

Und immer wieder ließen nahtlose Übergänge zwischen einem präzise hämmernden Staccato und einem sanft singenden Legato aufhorchen. Dass man gern zügige Tempi wählte und auch problemlos durchhielt, tat ein Übriges, die Zeit nicht lang werden zu lassen. Zudem war einige Male der Reichenbacher Kantor Christian Wegler an der Schüßler-Wolf-Orgel mit im Boot. Gemeinsam gelangen voll tönende, im besten Sinne wuchtige Interpretationen von Sigfrid Karg-Elerts Triumphmarsch "Nun danket alle Gott" und Johann Michael Bachs Choralvorspiel "Allein Gott in der Höh sei Ehr".

Christian Wegler steuerte ferner einige ausdrucksstark gestaltete Soli bei, darunter Präludium und Fuge III aus op. 37 von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Das Zwickauer Bläser-Quartett tat am Montagabend auch etwas in ureigener Sache. Mit Werken der einst in Leipzig wirkenden Komponisten und Instrumentalisten Johann Pezelius und Gottfried Reiche stellte man traditionelle Stadtpfeifer-Musiken vor. Die Intraden und Sonatinen strahlten wohltuende Kürze, meisterhafte Klarheit und eine beachtliche Virtuosität aus.

Die gut 70 Zuhörer in der Neumarker Kirche spendeten begeistert Beifall und bekamen noch zwei Zugaben zu hören.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...