Virtuose öffnet Türen für Barock-Musik

Der Münchner Geiger Florian Sonnleitner konzertierte in Greiz zugunsten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Greiz.

Offen zutage tretende Gegensätze können Gutes bedeuten. Daran erinnerte auf glückliche Weise das Benefizkonzert der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am Freitag im Festsaal des Greizer Sommerpalais'. Der Akteur des Abends, der namhafte Münchner Geiger Florian Sonnleitner, strahlte anderthalb Stunden lang zugleich beneidenswerte Gelöstheit und hohe Anspannung aus. Das Lockere spiegelte wider, wie souverän der langjährige Erste Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks die jeweils anstehenden spieltechnischen Schwierigkeiten meisterte. Das Konzentrierte, hundertprozentig Akkurate dagegen war darauf gerichtet, Zuhörern den Gang der Musik einleuchtend nahe zu bringen. Dazu darf der Interpret selbst den Faden nicht verlieren, muss voll und ganz Herr des Geschehens bleiben. Das gestaltete sich bei dem barocken Repertoire, das reich war an kompliziert gebauten Fugen und kunstvollen Verzierungen, alles andere als einfach.

Der Gast bestand die Prüfung in imponierender Manier - zur eigenen und zur Freude des gut 40-köpfigen Publikums. Den Anfang machten farbenreiche, musizierfreudig angelegte Fantasien von Georg Philipp Telemann. Es folgte eine solides Ebenmaß und auch einen Hauch vornehme Zurückhaltung verströmende Suite des einst in Weimar wirkenden Johann Paul Westhoff. Das Finale blieb Kompositionen Johann Sebastian Bachs vorbehalten, die - vornan die Sonate g-Moll (BWV 1001) - der Musik neue Tore öffneten. Hier ist auf einmal Platz für eine bewegte innere Zwiesprache, für Mut zum Experiment. Sonnleitner, der eine 1758 von Giovanni Battista Guadagnini gebaute Violine und eine für Ende des 19. Jahrhunderts datierte Bratsche des Franzosen Joseph Hel spielte, wartete mit einem edlen und ungemein variablen Ton auf. Es konnte bei ihm nach Belieben schlank und üppig, leicht und schwer, silbrig hell und samtig dunkel klingen.

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