Vogtländische Landwirte nehmen Politiker in die Pflicht

Trockenheit, Wünsche des Handels, unklare Gesetze: Landwirte kämpfen mit vielen Problemen. Die Initiative "Heimat braucht Bauern" ringt um Abhilfe.

Reichenbach.

Landwirte der Interessengemeinschaft "Heimat braucht Bauern" forderten am agrarpolitischen Stammtisch Politiker auf, für klare Gesetze zu sorgen. Etwa zur Ferkelkastration: Für betäubungslose Kastration gab es zuletzt eine Verlängerung für zwei Jahre. Was Bauern fehle, sei eine praktikable und bezahlbare Regelung.

Friedhelm Taubert aus Obermylau: "Derzeit will jeder dritte Sauenhalter aufhören." Und: "Schon jetzt importieren wir Ferkel aus Dänemark. Die Wertschöpfung für die deutschen Landwirte bleibt auf der Strecke." Die vogtländischen Initiatoren der Interessengemeinschaft, etwa 60 Landwirte gehören ihr an, hatten jüngst auf den Hof von Familie Häberer nach Niedercrinitz bei Zwickau eingeladen.

Jörg Mothes von der Marienhöher Milchproduktion ist Sprecher der Interessengemeinschaft: Steigende Futtermittelpreise, knappe Wintervorräte bei stagnierenden Milchpreisen seien weitere Probleme für die Bauern. 33 Cent zahlten Molkereien derzeit im Durchschnitt für den Liter Milch. Viel zu wenig, argumentierten die Landwirte. Mindestens 40 Cent seien nötig, um in Deutschland unter derzeitigen Bedingungen Milch produzieren zu können. Zudem komme es bei Bauern schlecht an, wenn Handelsunternehmen stets neue Forderungen stellen. Mothes: "Was wir machen sollen, erfahren wir vom Einzelhandel." Er nannte Schlagworte: kein Glyphosat, gentechnikfreier Anbau, Verzicht auf Soja, Fleisch ohne Antibiotikaeinsatz, Weidemilch, Heumilch. Der sächsische CDU-Europaabgeordnete Peter Jahr nannte die Forderungen des Handels "Parallelgesetzgebung". Seine Beobachtung: "Das machen die europaweit agierenden Ketten nur hier und nicht in anderen Ländern, weil man das mit den Deutschen eben machen kann."

Gesprächspartner der Landwirte waren christdemokratische Politiker. Zu festen Partnern gehören Jahr, die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas, die Landtagsabgeordneten Andreas Heinz und Stephan Hösl (alle CDU). Die Veranstaltungsreihe entstand aus der Milchkrise heraus und hat sich zum heißen Draht von Landwirten aus dem Vogtland, dem Erzgebirge und dem Zwickauer Land zur Politik etabliert.

Das Ende der Trockenperiode sei noch nicht ausgestanden, wurde weiter beklagt. Auch der Herbst brachte nicht den erhofften Regen. Martin Häberer vom gastgebenden Hof berichtete von Ausfällen bei seinem Gemüsebau. Der vogtländische Landtagsabgeordnete Heinz: "Das Ende der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Der Verlauf des Winterhalbjahres wird entscheidend sein." Er wies auch auf den extremen Borkenkäferbefall bei Fichten hin.

Die Ausbreitung des Wolfes bereitet Weidetierhaltern weiteres Kopfzerbrechen. Der jüngste Vorfall in der Lausitz mit 40 gerissenen Schafen bestärke Landwirte in ihrer Ansicht, dass Gegenmaßnahmen, wie hohe Weidezäune mit Flatterband, so etwas nicht verhindern. Die Diskussion, zumindest bei konkreten Vorfällen Einzeltiere zum Abschuss frei zu geben, weise in die richtige Richtung. Jahr: "Die Stimmung in Europa ist günstig, die Wolfsdebatte zugunsten der Landwirte anzuschieben." Heinz bremste: Einen dafür nötigen Beschluss werde es nicht geben. Wie sich die Wolfspopulation ohne menschliche Eingriffe entwickeln könnte, deutete Taubert an: "Schätzungen gehen von 10.000 Wölfen in Deutschland bis zum Jahr 2030 aus."

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2Kommentare
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    0
    Tauchsieder
    29.10.2018

    Warum sich Hr. Heinz bezüglich des Themas - Wolf-Schafhaltung - bedeckt hält, muss ich ihnen ja wohl nicht sagen "GrauerW....".
    Darüber berichtete ja die Presse ausführlich.

  • 3
    1
    GrauerWolf
    29.10.2018

    Der agrarpolitische Stammtisch und der Wolf...

    Schade eigentlich, der naturkundlich gebildete Bürger muss den Eindruck gewinnen, dass bäuerliche Landwirtschaft und Naturschutz immer weiter auseinander triften.
    Aber der Reihe nach:

    Wolfsabschuss ist kein Herdenschutz, liebe Bauern!
    Wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungen aus verschiedenen Wolfsgebieten haben eindeutig gezeigt, dass der Abschuss von Wölfen die Häufigkeit von Schäden an Weidetieren nicht reduziert! Der Versuch, durch Abschuss von Wölfen Übergriffe auf Weidetiere zu verhindern, ist in der Regel erfolglos. Wird Herdenschutz nicht sorgfältig installiert und über ein korrektes Weidemanagement kontrolliert, kann auch der Abschuss von Wölfen keine Abhilfe schaffen, im Gegenteil. Durch den Abschuss einzelner Wölfe wird die Rudelstruktur zerstört, es steigen die Schäden.

    Einzig Landtagsabgeordneter Heinz hat beim munteren „Jetzt red i“ die Ruhe behalten, denn richtigerweise werden die Voraussetzungen für eine Entnahme problematischer Wölfe in der FFH-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 45 Abs. 7 BNatSchG Ausnahmen von den Verboten des § 44 BNatSchG) klar geregelt. Veränderungen würden eine von der EU zustimmungspflichtige Änderung des Schutzstatus erfordern und dazu hat die EU-Kommission mehrfach geäußert, dass sie dazu keine Veranlassung sieht.

    Ja und im Jahr 2030 geschätzte 10.000 Wölfe? Ein Blick auf die Natur verweist solche Äußerungen in die Grimmsche Märchenwelt.
    In der Natur wirken sehr komplexe ineinander greifende Regulationsprozesse, denen sich auch der Wolf nicht entziehen kann. Schon Biologieprofessor Prof. Dr. Remmert erläuterte mehrere Regulationsprozesse in Ökosystemen wie: Populationsgenetik, Demographie, die Verteilung der Organismen im Raum, die Einhaltung einer mittleren Populationsdichte, Selbstregulation, Räuber-Beute Systeme, Strategie der Selektion für Spezialisten, Strategie der Unvorhersehbarkeit, das Problem des optimalen Ertrages, Nahrungsmenge und Populationsdichte, abiotische Faktoren und Populationsdichte, die Coevolution eines Räuber-Beute-Systems, Massensterben und Seuchenzüge.
    Hinzu kommt der menschliche Einfluss auf die Wolfspopulationen, Zerschneidung der Lebensräume, Verluste durch Straßen- und Schienenverkehr, illegale Wilderei um nur einige Faktoren zu benennen.

    Dem aufmerksamen Leser ist sicherlich nicht entgangen, dass dem agrarpolitischen Stammtisch zum Thema „Wolf und Weidetiere“ kompetente Ansprechpartner fehlten...

    Meint Ihr Grauer Wolf



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