Vom Blech zum klingenden Instrument

Mein Traumberuf Etwas Handwerkliches ist genau das Richtige für Markus Kunze. Der junge Mann aus Hohenstein-Ernstthal fühlt sich im Musikwinkel wohl. In einer Serie stellt die "Freie Presse" junge Leute in bodenständigen Berufen vor. Heute zum Abschluss: Metallblasinstrumentenmacher.

Markneukirchen.

Das Abitur ist eine Wegscheide: Wo soll die Zukunft liegen? Im Büro, vor dem Computer, in der Natur oder erst einmal auf einer Studienbank - das müssen junge Menschen für sich entscheiden. Markus Kunze liebäugelte vor drei Jahren anfangs mit etwas Richtung Geologie, um dann quasi umzukehren: "Das war mir alles nichts und ich wäre bestimmt nicht glücklich geworden. Deshalb entschied ich mich für etwas Handwerkliches. Bei uns in Hohenstein-Ernstthal habe ich schon im Posaunenchor gespielt. Vor ein paar Jahren besuchten wir die Meisterwerkstatt Jürgen Voigt in Markneukirchen. Daran erinnerte ich mich und wie gut es mir dort gefallen hatte. Ich schrieb eine Bewerbung und wurde auf Anhieb angenommen", sagte der 21-Jährige mit einer gewissen Bescheidenheit.

Dabei hätte er die gar nicht nötig, denn ob man die Firmenchefin Kerstin Voigt fragt oder Tommy Kaiser, Markus' Betreuer in der Werkstatt - sie sind voller Lob über den Lehrling. Er sei ein absoluter Traumlehrling, wie ihn sich jeder ausbildende Betrieb nur wünschen kann: "Sehr interessiert, zuverlässig, zupackend, geschickt, aufgeschlossen, kollegial. Ein prima Typ eben." Was zwar wichtig ist für einen Metallblasins-trumentenmacher, aber nicht allein das Gelbe vom Ei. Markus Kunze ist vor allem deshalb ein Traumlehrling, weil er seinen Traumberuf gefunden hat.

War schon das Abitur eine Wegscheide für ihn, so ist es die Lehre jetzt wieder. Das Spektrum des Berufs Metallblasinstrumentenmacher ist sehr breit gefächert, reicht vom Schallstückmacher über das Herstellen der Züge bis zum Maschinenmacher. In Richtung letzterer Spezialisierung - auch wenn er während der Lehrzeit alle Abteilungen durchläuft - möchte Markus Kunze gehen: "Das Herstellen der Ventile für die Instrumente interessiert mich sehr und entspricht meinen Stärken am meisten. Auch hier ist absolute Präzision notwendig, entscheiden schon tausendstel Millimeter über die Qualität der Instrumente." Auch wenn Markus Kunze betont "Vergess dei Haamit nicht!", so fühlt er sich im Vogtland doch sehr wohl: "Ich möchte hier bleiben, weil es mir gefällt. Und ich fühle mich auch in der Firma Jürgen Voigt sehr wohl. Es stimmt alles rundum." Sogar sein einstiges Hobby hat er nicht aufgeben müssen: Er spielt im Posaunenchor Markneukirchen.

www.freiepresse.de/traumberuf


Fakten zum Beruf

Was ist das Schönste am Beruf? "Am Abend sieht man, was tagsüber mit den Händen geschafft wurde. Es ist faszinierend und macht stolz, mit beizutragen, dass aus vielen einzelnen Teilen ein hochwertiges Instrument entsteht", sagt Markus Kunze.

Was ist das Schwierigste an dem Beruf? "Körperlich ist es manchmal ganz schön anstrengend. Vor allem kommt es darauf an, an jedem Teil sehr genau zu arbeiten. Geringste Ungenauigkeiten von einem tausendstel Millimeter dürfen nicht passieren."

Ausbildung: Die Lehre dauert drei Jahre. Praxiskenntnisse werden in einem Ausbildungsbetrieb der Region vermittelt, Theorie im Berufsschulzentrum "Vogtländischer Musikinstrumentenbau" Klingenthal. Die Berufsschule ist nach eigenen Angaben eine von nur drei Schulen in Deutschland, die im Musikinstrumentenmacher-Handwerk ausbildet.

Der Verdienst: Im ersten Lehrjahr gibt es 500 Euro Entgelt, im zweiten 630 Euro und im dritten 750 Euro. Nach Abschluss der Lehre erfolgt eine regions- und branchenübliche Vergütung.

Was muss man können? Man muss handwerklich begabt sein und zupacken. Es ist von Vorteil, wenn man eine Beziehung zur Musik hat, und es schadet auch nicht, dass man selbst ein Instrument spielen kann.

Für wen ist das nichts? Wer handwerklich unbegabt ist, nicht gerne in einer Werkstatt arbeiten möchte und lieber saubere Hände hat, sollte einen anderen Beruf wählen. (eso)

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