Vom Volkshaus zum Terror-Ort

Das Haus am Markt 5 in Reichenbach sah eine wechselvolle Geschichte. Einst ein Gewerkschafter-Domizil, beherbergte es zur Nazi-Zeit Folterkeller.

Reichenbach.

Vor 100 Jahren, mit Beginn der Weimarer Republik, erwarb die SPD in Verbindung mit der Textilarbeiter-Gewerkschaft das markante Gebäude am Reichenbacher Marktplatz und gründete die Volkshaus-Gesellschaft.

Das nach dem letzten großen Stadtbrand von 1833 wieder aufgebaute Haus besitzt historische Bausubstanz: Eine große Toreinfahrt, wie sie mehrere Ackerbürgerhäuser am Markt und angrenzenden Gassen aufweisen, ist bis heute erhalten geblieben. Auch die Sitznischenportale gehören dazu. Die starken Umfassungsmauern widerstanden dem damaligen Brandgeschehen. Verbaut worden war graugrünes Schiefergestein. Zum Gebäude gehören Tiefkeller und Kreuzgewölbe.


1933, mit der Machtübernahme durch die Nazis, wurde das Volkshaus zum Zentrum des Terrors im Vogtland. Antifaschisten wurden zu grausamen Verhören gebracht. Sie kamen anschließend in Konzentrationslager. Den Schriftzug "Volkshaus" ließen die Nazis abhacken bis auf die Buchstaben "SS", mit denen sie ihre Macht demonstrierten.

Nach 1945 wurde daraus das Hotel und die Gaststätte "Goldener Anker". Beides wurde durch die staatliche Handelsorganisation bis 1990 betrieben. Auf der rechten Seite der großen Toreinfahrt erfolgte 1963 eine Wandgestaltung mit schmiedeeisernen Buchstaben, die als Mahnung an die Ereignisse von 1933 verstanden werden sollte. Diese Gestaltung wurde im Zuge des Umbaus nach 1995 entfernt. Heute steht ein bescheidenes Erinnerungsschild vor dem Haus, das im Auftrag der Stadt Reichenbach aufgestellt wurde. Zu dem Abbruchantrag von 1995 gab es mit der Denkmalbehörde ein Verständigung zum Teilabbruch, wobei die Marktfassaden der beiden unteren Geschosse erhalten blieben. Das originale Türportal mit Setzsteinen für das Abstellen von Tragekörben der Marktfrauen blieb auch erhalten. Das heutige Geschäftshaus wird im Erdgeschoss durch den Shop und die Lokalredaktion der "Freien Presse" genutzt.

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