Von Pest bis Heuschreckenzug

Die neue Ausgabe des Vogtländischen Jahrbuches bietet eine große Vielfalt an Themen aus fast allen Jahrhunderten. Auch eine schier unglaubliche Geschichte aus Reichenbach.

Plauen.

Es sind nur zwei Seiten im neuen Jahrbuch aus dem Vogtländischen Heimatverlag Neupert. Aber diese zwei Seiten bieten eine Fülle an Informationen: Eine Auflistung des Plauener Rates vom Dezember 1843 gibt ein interessantes Kurzporträt der Stadt ab. 10.584 evangelisch-lutherische, 39 katholische und ein israelitischer Einwohner wurden damals gezählt. Nur 736 Plauener waren älter als 60 Jahre. Eine lange Aufzählung der Berufe gibt Aufschluss, womit die Menschen ihren Lebensunterhalt verdienten: Die Weber bildeten mit 599 Personen die größte Gruppe, gefolgt von 501 Näherinnen und Stickerinnen. Auch ein Scharfrichter ist dabei gewesen.

Wie viele Opfer die Pest im 17. Jahrhundert in einigen Kirchspielen der Region gefordert hat, kann man im Beitrag von Dr. Rudolf Falk (1897 - 1953) "Der Dreißigjährige Krieg im Spiegel vogtländischer Dorfkirchenbücher" nachlesen. Andreas Raithel (1957 - 2011) hat "fast vergessene Sagen der Stadt Reichenbach und ihre Umfeldes" aufgeschrieben. Eine schier unglaubliche Begebenheit ist mit dem Titel "Das Beil des Zimmergesellen" überschrieben. Ein Handwerksbursche soll beim Richtfest für ein neues Haus in Reichenbach hoch oben auf einem Balken das Gleichgewicht verloren haben. Beim Herunterfallen habe er sein Beil ins Holz geschlagen, sich mit dem Fuß daran festgehalten und so sein Leben gerettet, berichtet die Sage. Niemand habe das eingeschlagene Werkzeug jemals wieder herausbekommen, erzählte man sich.

Im Jahre 1693 sollen zwei große Schwärme von Heuschrecken ins Vogtland eingefallen sein. Die Tiere kamen aus Ungarn, heißt es in dem Beitrag. Sie plünderten Felder und Wiesen, verzehrten große Mengen von Getreide "bis auf den Grund", heißt es. "Ebenso machten sie es mit den Früchten und Blättern der Bäume und Sträucher, an denen sie bisweilen so dick aneinander saßen, dass unter dieser Last die Äste herabbrachen", schreibt der Autor.

"Wenn man die Vergangenheit betrachtet, muss man es aus Sicht der Menschen von damals tun", beschreibt der Verleger seine Herangehensweise bei Veröffentlichungen. "Sonst entsteht ein verzerrtes Bild", ergänzt er. Zirka 200 Autoren haben in der 34. Ausgabe des Jahrbuches dafür gesorgt, dass die Sicht der Menschen von damals Beachtung findet und möglichst kein solch verzerrtes Bild entsteht. Der 400 Seiten starke Band wird immer wieder aufgelockert durch Fotoseiten, etwa mit zwei Seiten historischer Ansichten aus Reichenbach, und mit Gedichten und anderem. Auch ein Geleitwort des Verlegers mit aktuellem Bezug ist enthalten.

Das Werk bietet ein buntes Bild mit vielfältigen Beiträgen aus der Geschichte der Region. Es ist in Buchhandlungen des Vogtlandes und beim Verlag am Klostermarkt in Plauen zu kaufen.

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