Vorlesen lässt Kinder zusammenrücken

In Lengenfeld haben Eltern eine Vorlesestunde ins Leben gerufen und stießen damit bei der Bibliothekarin auf offene Ohren.Bald könnte sich die Schar der Mitstreiter vergrößern.

Lengenfeld.

In der Lengenfelder Bibliothek an der Hauptstraße gibt es seit vier Wochen eine Vorlesestunde für kleine Kinder. Auf den Weg gebracht hat dieses Angebot Mirjam Will mit Unterstützung einiger anderer Eltern. Sie war mit Ehemann Andreas und drei kleinen Kindern vor einem Jahr von Hamburg nach Lengenfeld gezogen. Einer ihrer ersten Wege zum Kennenlernen der Stadt führte die Wahlvogtländerin, die in Berlin aufwuchs, zu Judith Benkenstein in die Bibliothek. "Lengenfeld hat eine schöne Bibliothek. Aber ich vermisste eine regelmäßige Vorlesestunde für kleine Kinder", sagt die Mutter.

In Hamburg bot die Bibliothek solche Veranstaltungen an, mit Beamer und Illustration des Gelesenen auf der Leinwand. "Besonders im Winterhalbjahr waren diese Veranstaltungen immer voll besetzt", berichtet Mirjam Will. Sie und ihr Mann, beide von Beruf Lehrer, sind große Befürworter des Vorlesens. "Ich finde es wichtig, dass Kinder mit Büchern groß werden und nicht nur mit digitalen Geräten aufwachsen", sagt die Mutter. In ihrem Zuhause gibt es keinen Fernseher, aber einen Beamer. "Wenn man keinen Fernseher hat, braucht man natürlich für die Kinder ein Alternativangebot", ist der Mutter klar.

Vorleser für die Bibliothek zu finden, war fürs Erste kein Problem. Sowohl Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) erklärte sich bereit als auch Buchhändlerin Grit Petermann und Museumsleiter Michael Heuck. "Ich selbst würde auch vorlesen, aber mit einem kleinen Kind auf dem Arm ist das ein bisschen schwierig." Das Angebot richtet sich an Drei- bis Achtjährige. "Auch Grundschüler, die noch nicht so fließend lesen können, finden Vorlesen oft noch schön", ist Mirjam Will überzeugt.

Catharina Große aus Plohn bringt ihren Sohn gern zum Vorlesen. Sie sagt: "Das ist eine tolle Idee. Ich bin Erzieherin und habe festgestellt, dass nur noch wenige Kinder das Vorlesen zu Hause erleben. Wir lesen in unserer Einrichtung auch manchmal vor und merken, wie die Kinder das genießen." Außerdem sei die Vorlesestunde eine unkomplizierte Art, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Und auch die Kinder hätten die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen.

Etwa sechs Kinder lauschten bei den ersten drei Veranstaltungen den Vorlesern. Beim vierten Mal waren es schon zehn. Mucksmäuschenstill sitzen die Kinder, manchmal auch mit Eltern oder Großeltern, in der Leseecke und lauschen der Geschichte. Es könnten bald mehr Zuhörer werden: "Wir haben Plakate gedruckt und wollen auch im Stadtanzeiger auf das neue Angebot aufmerksam machen", kündigt die Initiatorin an. Sie möchte damit auch herausfinden, ob den Eltern andere Zeiten besser gefallen würden. "Eine Option wäre Freitag nach dem Mittagessen. Viele Kinder werden an diesem Tag eher von der Krippe oder dem Kindergarten abgeholt."

Bibliothekarin Judith Benkenstein freut sich über die Elterninitiative. "Wir hatten schon über eine Vorlesestunde nachgedacht, aber diese Idee nie umgesetzt. Ich selbst kann nicht vorlesen. Ich muss mich um den laufenden Betrieb kümmern." Zur Illustration des Vorgelesenen gibt es in der Bibliothek zwar keinen Beamer, aber ein kleines Holztheater, in das man Bilder einschieben kann. Judith Benkenstein hat auch schon selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen und Bilder für das Holztheater gemalt. Diese Art, Kindern Geschichten näher zu bringen, gefällt der Bibliothekarin wegen der damit verbundenen Entschleunigung im Vergleich zu einem Film. "Die Langsamkeit der Bilder macht den Reiz aus."

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