Warum Vogtländer immer stärker auf SUV abfahren

Sie sind wuchtig, sie sind umstritten - und es werden immer mehr. Noch nie waren auf deutschen Straßen so viele SUV unterwegs wie heute. Auch im Vogtlandkreis ist das nicht anders. Warum?

Plauen/Auerbach.

Wer darauf achtet, der merkt schnell: SUV sind stark im Kommen. Ob vor vogtländischen Schulen und Kindergärten, auf der Autobahn oder vor Supermärkten in Auerbach, Plauen, Falkenstein und Oelsnitz - überall nimmt die Zahl dieser hohen Geländelimousinen oder Stadtgeländewagen zu. In diesem Jahr werden SUV erstmals die Millionenmarke knacken, meldete kürzlich die Zeitung "Die Welt". Sie berief sich auf eine Prognose des Zentrums für Automobilforschung an der Universität Duisburg-Essen. Der Marktanteil der SUV steige demnach erstmals über die 30-Prozent-Grenze.

Da die Abgrenzung zu anderen Fahrzeugklassen nicht immer klar ist, gibt es fürs Kreisgebiet keine amtlichen Zahlen. Doch Autohändler Erich Laube bestätigt: "Der SUV-Bereich brummt auch im Vogtland ohne Ende." Laube ist geschäftsführender Gesellschafter der Autobund GmbH (vormals Laube-Automobile) mit Niederlassungen in Neuensalz und Weischlitz, verkauft alle Marken und erklärt: "Besonders auffällig ist das Wachstum in der Kompaktfahrzeug-Klasse, bei den Klein-SUV." Dazu zählt er etwa Ford Kuga, Skoda Kamiq, VW T-Cross, Renault Captur. "Die richtig großen Boliden stellt sich der vogtländische Normalverbraucher nicht vor die Tür", meint Laube, der manche der "Kleinen" nicht mal voll zu den SUV zählt: "Das ist mehr Crossover." Warum werden sie gekauft? Sie seien halt bequem und bisschen höher als andere Modelle. Zwar verbrauchten sie wegen des stärkeren Luftwiderstands etwas mehr, aber gerade bei den Klein-SUV sei das vertretbar: "Es gibt welche mit vier bis sechs Liter auf 100 Kilometer." Allrad brauchten die wenigsten.

Joachim Bauer (67) aus Wernesgrün fährt einen Ford Kuga, und der hat auch Allrad. "Ich stelle im Ort die Freie Presse zu, muss im Winter in aller Frühe bei Schnee viele Steigungen bezwingen", begründet er. Außerdem: "Aus einer Limousine würde ich mit meinem Rücken gar nicht mehr rauskommen." Der Verbrauch liege bei 7 bis 7,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer: "Vorher hatte ich einen Mondeo, der schluckte zehn bis elf Liter..."

Auf "weit über 20 Prozent" beziffert Jürgen Meinhold, Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Auerbach und Rodewisch, den Anteil der SUV an den dort verkauften Fahrzeugen - ob bei VW, Audi oder Skoda. Und die Nachfrage wachse. Weshalb? "Sie sehen einfach gut aus, bieten viel Fahrkomfort und es gibt sehr viele neue Modelle in diesem Segment", sagt Meinhold. Die Kunden schätzten die höhere Sitzposition und das leichtere Ein- und Aussteigen, außerdem komme man dank größerer Bodenfreiheit besser durch den Schnee. Vorwürfe in Richtung SUV hält er für völlig falsch und spricht von einer "Kampagne".

Selbst ein ausgewiesener Naturschützer wie Volkmar Ihle aus Ellefeld, Vorstandsmitglied bei den vogtländischen Grünen, setzt auf SUV. Ihle fährt einen Tiguan mit Allrad-Antrieb. "Ich fahre ja tatsächlich in die Natur raus, durch unwegsames Gelände", erklärt er. Zudem sei sein Grundstück an der Juchhöh im Winter sehr schwer erreichbar: "So komme ich auch mal über den Schnee drüber weg." Er habe den Wagen gebraucht gekauft und werde ihn so lange wie möglich fahren. "Das nächste Auto wird keinen Verbrennungsmotor haben - so viel ist klar", sagt Ihle.


Stichwort SUV

SUV (gesprochen Esjuwi) ist die Abkürzung von Sport Utilitiy Vehicle (Sportnutzfahrzeug). So bezeichnet werden Pkw mit erhöhter Bodenfreiheit und selbsttragender Karosserie, die keine echten Geländewagen sind, aber so aussehen. Manche SUV haben Allrad-Antrieb, andere nicht.

In der Kritik stehen SUV unter anderem wegen ihres höheren Energieverbrauchs, des größeren Platzbedarfs und des größeren Unfallrisikos für andere Verkehrsteilnehmer. Laut Internationaler Energieagentur trug der SUV-Boom erheblich zum Anstieg der CO2-Emissionen seit 2010 bei. (bap)

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1Kommentare
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  • 13
    0
    draekster
    21.10.2019

    Meiner Meinung nach sind die SUVs an sich nicht das Problem. Zwar haben die wirklich einen leicht höheren Verbrauch und sind in der Stadt durch ihre große völlig ungeeignet. Aber das eigentliche Problem ist der Verkehr an sich.

    Wenn ich sehe (und ich gehöre leider auch dazu, habe aber nur einen Kleinwagen) wieviele Fahrzeuge auf der Straße quasi leer fahren und dabei immer mehr und größer werden, finde ich das viel problematischer.

    Bevor man sich über als Detail aufregt sollte man lieber über sinnvolle Alternativen nachdenken. Dazu muss aber auch seitens der Regierung endlich mal eine sinnvolle Lösung gefunden und auch angegangen werden.



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