Waschen verboten - alte Bräuche im Heft

Als am 1. Advent der Rupperich auftauchte: Im Lengenfelder Museum findet sich eine Sammlung alter Bräuche aus den Ortsteilen. Für die heutige Zeit klingt einiges bizarr.

Lengenfeld.

Vor rund 80 Jahren war die Weihnachtszeit weniger pompös, weniger vom Kaufrausch und teuren Geschenken geprägt und weniger mit exzessiver Beleuchtung überladen als heute. Glaube und Aberglaube vermischte sich. Wie sehr sich das christliche Fest im Laufe von acht Jahrzehnten verändert hat, belegt ein Ordner im Lengenfelder Museum, der eine Sammlung von Weihnachtsbräuchen aus den umliegenden Dörfern enthält. "Leider ist der Lengenfelder Teil ebenso verschwunden, wie die Fragestellung zu den einzelnen Themen", bedauert Museumsleiter Michael Heuck. Er geht davon aus, dass sich die Bräuche in Lengenfeld nicht wesentlich von denen der umliegenden Dörfer unterschieden haben.

Entstanden ist die Sammlung 1938. Ausführungen gibt es unter anderem zum Andreastag, dem letzten Tag des Kirchenjahres, zu Advents- und Weihnachtsbräuchen, zu Weihnachtsdekoration, zum Essen und Trinken, zur Bescherung, der Christmette und zu Bräuchen und Aberglaube, besonders nach Neujahr. Adventssterne mit elektrischer Beleuchtung waren absolute Ausnahme. Von Kindern gebastelte Adventskalender sind aus der Weißensander Schule bekannt. Nikolaus wurde kaum gefeiert, dafür erschien am 1. Advent der Rupperich. Nur wenige Familien besaßen Pyramiden. Schwibbögen und Pflaumentoffel kommen in den Erzählungen der Altvorderen nicht vor. Rachermännle und Tannebaamer dagegen gab es auch schon in den 1930er Jahren in und um Lengenfeld.

Allerdings hingen an den grünen Zweigen keine blinkenden Lichterketten, sondern Nüsse, Äpfel, Papiersterne, Watte, teils auch schon Silberfäden und manchmal auch Glasschmuck. In Räumen mit wenig Platz hängten die Bewohner den Tannenbaum an die Decke. Das Aufstellen von Krippen war wenig verbreitet. Lediglich die Lengenfelder Ägidiuskirche kaufte nach dem Krieg große Krippenfiguren.

Unterschiedlich viele, aber immer eine gerade Anzahl von Lichtern schmückten den Baum. In Weißensand gab es den Brauch, den später nadellosen Baum ein Jahr auf dem Dachboden aufzubewahren. Das sollte im darauf folgenden Jahr vor Blitzeinschlag schützen. Der Weihnachtsstollen war, wie auch heute in vielen Familien noch, das klassische Weihnachtsgebäck. Strenge Bräuche regelten, dass der Stollen oft erst am 1. Feiertag angeschnitten werden durfte. Zerbrechen durfte das Gebäck nicht, das bedeutete Unglück.

Die Christmetten feierten viele Dörfer am 1. Feiertag früh. An diesem Tag gab es auch die Geschenke. Ganz unterschiedliche Figuren waren dafür zuständig. In Röthenbach brachte das Bornkindel die Geschenke. Im christlichen Glauben des Erzgebirges ist damit eine stehende Figur des geborenen Christkindes gemeint (das geborenen Kind), die auch mundartlich Bornkinnel genannt wurde. In anderen Orten war es das Christkind oder der Weihnachtsmann. In Röthenbach war es Brauch, zu Weihnachten den Obstbäumen ein Strohband anzulegen. Das sollte eine reiche Ernte bringen. Am Abend des 24. Dezember sollten die Menschen kein Wasser vor die Tür schütten, weil sie sonst das Glück ausschütteten.

Eine Zeit, reich mit Aberglauben ausgestattet, waren die Unternächte, das sind die Nächte nach Neujahr. Aus Pechtelsgrün ist überliefert, dass die Menschen vermieden, Wäsche zu waschen, Haare zu schneiden, sich auf den Tisch zu setzen, Sachen zu zerbrechen - solche Dingen galten als Unglücksbringer. Auch war der Aberglaube verbreitet, dass Träume aus dieser Zeit wahr werden. Walter Schellenberg aus Weißensand berichtet von einer solchen Begebenheit. Ein Gutsherr hatte in den Unternächten geträumt, dass seine Nachbarin stirbt und dass sein Gut abbrennt. Als die Nachbarin tatsächlich gestorben war, ließ er, um weiteres Unglück zu vermeiden, einen Blitzableiter am Haus anbringen. Bei den Lötarbeiten entstand eine Stichflamme. Sie setzte den Bauernhof in Brand.

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