Wasserdampf statt chemischer Keule

Noch hat die Stadtverwaltung Lengenfeld ihr Ziel nicht erreicht, auf umstrittene Pflanzengifte zu verzichten. Gegen Wildwuchs soll nun aber nicht nur Handarbeit helfen.

Lengenfeld.

Den Einsatz des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat zur Bekämpfung von Unkraut auf öffentlichen Wegen und Plätzen konnte die Stadtverwaltung Lengenfeld in der zu Ende gegangen Vegetationsperiode deutlich verringern. Es sei aber nicht gelungen, wie Anfang des Jahres angekündigt, ganz auf das Mittel verzichten. Das sagt Bauamtsleiter Dirk Brandt auf Anfrage der "Freien Presse". Statt auf chemischen Pflanzenschutz setzte der Bauhof jedoch inzwischen verstärkt auf Handarbeit. Das Totalherbizid Glyphosat, das Bestandteil verschiedener Pflanzenschutzmittel wie Roundup ist, wirkt gegen sämtliche Pflanzen. Es ist seit 25 Jahren auf dem Markt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und ist deshalb umstritten. Nächstes Jahr will sich die Kommune komplett von der chemischen Keule verabschieden und unerwünschtem Wildwuchs mit Hilfe von heißem Wasserdampf und damit umweltfreundlicher als bisher zu Leibe rücken.

Eigentlich war die Heißwasser-Variante schon für dieses Jahr geplant. Doch leider stellte sich bei der Realisierung heraus, dass Einfallsreichtum und Kreativität gefragt sind, um die Technik zum Laufen zu bringen. Brandt dazu: "Einen geeigneten Komplettbausatz für die Anwendung dieses Verfahrens gab es nicht. Wir mussten verschiedene Komponenten miteinander verbinden."

Um das Verfahren anwenden zu können, brauche der Bauhof außerdem einen anderen Fahrzeuganhänger, auf den ein Behälter passt, der einen Kubikmeter Wasser fasst und damit in der Lage ist, das Gewicht von mehr als einer Tonne zu transportieren. Neben dem Wassertank ist ein Notstromaggregat erforderlich und ein Hochdruckreiniger, wobei, so Brandt, das heiße Wasser nicht mit Druck versprüht werden muss. Gebraucht werde von so einem Gerät die Düse, um den Wasserdampf zu verteilen. "Einen Hänger mit entsprechender Achslast müssen wir erst noch kaufen", sagt der Bauamtsleiter. Einen stationären Probelauf unternahmen die Bauhofmitarbeiter aber schon. Brandt über das Ergebnis: "Das Verfahren funktioniert."

Allein mit Handarbeit den Wildwuchs auf den städtischen Fußwegen in den Griff zu bekommen, sei schwierig. Das habe sich dieses Jahr gezeigt, und das, obwohl aufgrund der Trockenheit nicht viel gewachsen ist. Das Gras zwischen den Plattenfugen sprieße besonders dort intensiv, wo wenige Leute unterwegs seien. "Das trifft auf die Gehwege im Gewerbegebiet zu und auf den ÖPNV-Platz am Bahnhof. Bei letzterem mussten wir dann auch Glyphosat einsetzen, um fertig zu werden", berichtet Brandt.

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