Weiße Helfer proben den Aufstand

Sie sind chronisch unterfinanziert: Ehrenamtliche Retter von DRK, Johannitern und Co. fordern Gerechtigkeit. Unterstützung kommt aus Reichenbach.

Reichenbach.

Als weiße Helfer werden sie oft bezeichnet, und sie haben Geldprobleme: Viele Jahre haben sich ehrenamtliche Helfer des DRK, der Johanniter, des Arbeitersamariterbundes, der Malteser und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft die sächsische Staatsregierung darauf aufmerksam gemacht, dass sie chronisch unterfinanziert sind, dass sie die steigenden Kosten allein nicht mehr tragen können und dass sie eine Gleichstellung mit dem Ehrenamt der Feuerwehr fordern. Die Rufe sind verhallt, passiert ist nichts. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die Weißen proben den Aufstand.

Auf den Weg gebracht hat die Initiative Markus Kremser vom DRK aus Görlitz. Er sagt: "Ich musste etwas unternehmen. Ministerpräsident Michael Kretschmer will die freiwilligen Feuerwehren in den nächsten fünf Jahren mit zusätzlichen 200 Millionen Euro unterstützen. Wir wurden wieder vergessen." Die Weißen wollen die Gleichstellung der Hilfsorganisationen gegenüber der Feuerwehr, ein Förderprogramm zur Finanzierung der Depots, und die Anpassung der Fördersätze für Katastrophenschutz.

Eine Petition haben sie beim Landtag eingereicht, erste Gespräche im Staatsministerium geführt. Die Initiatoren nennen die Aktion "Status6" - das bedeutet im Funkverkehr "nicht einsatzbereit". Jetzt werden Unterschriften gesammelt, etwa 4000 kamen bisher zusammen. Auch viele Vogtländer haben unterschrieben, aus Mylau, Netzschkau, Lengenfeld, Mehlteuer, Plauen, Pausa und Reichenbach. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Hösl aus Reichenbach hat die Petition unterschrieben, Bianca Zisowsky, die Geschäftsführerin des Kreisverbandes Vogtland/Reichenbach, und Manja Jopp, die Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Auerbach. Der ehrenamtliche Kreisbereitschaftsleiter des Reichenbacher DRK, Stev Kitscha, nennt die unterschiedlichen Finanzierungskonzepte bei den ehrenamtlichen Helfern als Grund für die Schräglage. "Für die Feuerwehren sind das Land, die Landkreise und die Kommunen zuständig. Sie sind nicht auf Spenden angewiesen, um ihre Ausgaben zu decken, wir schon". Der Pressesprecher des DRK Sachsen, Kai Kranich, zählt weitere Missstände auf: "Es kann nicht sein, dass ein Helfer bei einem Einsatz nicht weiß, ob er eine Lohnfortzahlung bekommt. Manche Helfer müssen für Einsätze sogar Urlaub nehmen." Im Vogtland ist zumindest die Lohnfortzahlung gesichert, der Rettungszweckverband der Kreise Vogtland und Zwickau übernimmt die Kosten.

Markus Kremser beschreibt weitere Zustände, die aus seiner Sicht nicht mehr tragbar sind: "Wir haben keine Umkleidemöglichkeiten, keine Duschen, keine Toiletten. Es gibt keine Förderprogramme, keine Stiftungen". Der Görlitzer weiß, dass eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen ist. Aber nach ersten Gesprächen in Dresden hat er den Eindruck, dass einige Entscheidungsträger das Problem zumindest erkannt haben.

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