Weitgereiste zieht es zur Burgweihnacht nach Mylau

Greta Grubstad und Monika Lorbeer hatten mehr als 2000 Kilometer Anreise hinter sich. Das war kein Zufall.

Mylau.

Die Mylauer Burgweihnacht hatte schon am Samstag viele Besucher auf die Burg gezogen. Sie erlebten ein Angebot, das sich wohltuend vom Nullachtfuffzehn-Programm vieler Weihnachtsmärkte abhob. Im Inneren der Burg warteten Handwerker und Künstler mit erlesenen Produkten auf die Gäste. So waren Greta Grubstad und Monika Lorbeer vom Polarkreis nach Mylau gekommen. Sie waren dafür mehr als 2200 Kilometer mit dem Flugzeug unterwegs gewesen. Sie hatten aufwändig genähte Patchworkdecken, Puppen aus Filz und Wolle sowie traditionelle Behältnisse mitgebracht.

Monika Lorbeer erklärte, was es mit Spitztüten namens Kremmerhuset auf sich hat: "Krämerhaus ist eine spitze Papiertüte, die man früher in Lebensmittelgeschäften bekam. In Norwegen ist sie heute ein Weihnachtssymbol und wird mit Süßigkeiten gefüllt." Sie hatte eine Variante aus hübschem Stoff mit weihnachtlichen Motiven mitgebracht, die gut in Nikolausstiefel passte. Angesprochen auf die Dunkelheit im hohen Norden antwortete sie: "Es ist gar nicht so dunkel wie manche denken, denn die Erde ist sehr flach, und die Sonne strahlt den Himmel in Farben an, die man hier noch nie gesehen hat." Wegen Monika Lorbeer waren sogar Besucher aus Jena angereist. Die frühere Netzschkauerin hatte in Jena eine Praxis, bevor sie als Zahnärztin nach Norwegen ging. Ursula Skala: "Ich war eine Kollegin und freue mich, dass wir uns hier treffen können." Die Wahlnorwegerin ist die Mutter der Mylauer Museumschefin, Sina Klausnitz.

Nebenan erklärte Diana Firmhaber aus Kaltensundheim in der thüringischen Rhön was Baumperlen sind. Diese Holzteile hat die Feinmechanikern zu Ketten, Ohrringen, Armbändern und anderem Schmuck verarbeitet. Baumperlen entstehen, wenn ein Baum verletzt wird. Das kann zum Beispiel passieren, wenn geschlüpfte Larven den Baum anknabbern. Dann entwickelt er einen Wundverschluss, der nach dem Heilungsprozess abgestoßen wird. Diese Baumperlen sind gesundes Holz, haben individuelle Farben und Formen und können klein oder größer sein. Die meisten Besucher hatten noch nie davon gehört.

Am Stand der Sächsischen Aufbau- und Qualifizierungsgesellschaft (SAQ) musste Heike Heroldt schon am Nachmittag Dekoartikel nachordern, weil die Nachfrage gut war. Vor allem Keramik war gefragt. Wer sich nicht mit fertigen Produkten eindecken wollte, konnte mit den Mitarbeitern Weihnachtsgeschenke basteln. In der Burgkapelle schrieb Steffen Kretzschmar von den Ehrbaren Rittern Namen und Verfehlungen in großen Lettern auf vorgedruckte "Brieflein wider die Sünd". Der Bedarf war so groß, dass am Samstagnachmittag die Vordrucke alle waren und im Museumsbüro nachgedruckt werden mussten. Die Wartezeit konnten sich die Sünder bei einem Spiel auf einem historischen Schachbrett vertreiben.

Dass es im Burghof nur wenige Buden mit Essen und Trinken gab, bemängelten einige. Sie hätten außer Fleischer, Bäcker und Glühweinbude gern noch etwas anderes gehabt. Wenn der Besuchertrend anhält, könnte nachjustiert werden. Das Nonstopp-Bühnenprogramm und der Besuch des Weihnachtsmannes entschädigten ein wenig. Einige kehrten nach dem Besuch zum Hutzen im Gärtnerhaus ein, wo Sabine Fischer Kürbissuppe, Speckfettbemme und selbst gemachtem Punsch kredenzte.

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