Weniger Milchbauern im Vogtland

Besonders die kleinen Landwirtschaftsbetriebe können dem Druck des Marktes nicht standhalten. Familiengeführte Betriebe stehen noch vor einem weiteren Problem.

Reichenbach/Plauen.

Das Vogtland mit seinen ausgedehnten Grünflächen ist wie geschaffen für Milchkuhhaltung. Auf 33 Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Flächen wächst Gras. Die Anzahl der Milchviehbetriebe sinkt trotzdem seit 1995 stetig. Gab es 1990 im Vogtland noch 280 Betriebe, die Milchvieh hielten, so waren es Ende 2017 gerade noch 95. Die Anzahl der Milchkühe sank im gleichen Zeitraum von 20.800 auf 15.200 Tiere. In Prozentzahlen ausgedrückt heißt das, dass 67 Prozent der Milchkuhhalter aufgaben. Die Anzahl der Kühe verringerte sich aber nur um 27 Prozent.

Der Prozess des Milchbauernsterbens verlief allmählich: 2004 sank die Anzahl der Betriebe erstmals unter die 200er-Marke. Politische Entscheidungen und die Entwicklung des Milchpreises auf EU-Ebene beeinflussten die Entwicklung nachhaltig. Als die inzwischen ganz abgeschaffte Milchquote ab dem Jahr 2000 an der Milchbörse verkauft werden konnte, machten etliche Betriebe die ihnen zugewiesene Quote zu Geld und stiegen aus der Milchwirtschaft aus. Zweiter Tiefpunkt war der Verfall des Milchpreises ab 2015. Die Beraterin Bettina Dög von der Informations- und Servicestelle des Plauener Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie berichtet: "Seitdem hat auch eine gute Handvoll Haupterwerbsbetriebe die Milchkuhhaltung aufgegeben. Markantestes Beispiel ist die Agrargenossenschaft Coschütz."

Die Zahlen belegen, dass es vornehmlich die kleinen, familiengeführten Betriebe mit geringen Tierzahlen sind, die sich von der Milcherzeugung verabschieden. Dög kennt die Gründe: "Viele Nebenerwerbsbetriebe haben aufgehört. Zum Teil fehlt der Nachwuchs, wenn die Betriebsinhaber das Rentenalter erreichen." Gleichzeitig seien in den zurückliegenden Jahren die Anforderungen an die Qualität der Milch gestiegen. Höhere Anforderungen seien häufig mit Investitionen in Kühltechnik, Melktechnik und Stallbauten verbunden. Investitionen gehen einher mit Kreditverpflichtungen. "Das bedeutet, der Landwirt bindet sich auf lange Zeit", erklärt Dög. Milchkuhhaltung gehöre zu den arbeitsintensivsten Bereichen der Landwirtschaft. "Der alte Spruch ,Kühe machen Mühe' stimmt auch heute noch", so Dög.

Die Rahmenbedingungen für die Milcherzeugung sind auch im vorigen Jahr nicht leichter geworden: Der Milchpreis liegt derzeit bei rund 33 Cent pro Liter. Neue Gesetze treiben die Kosten in die Höhe. Das neue Arzneimittelgesetz, das Antibiotikagaben bei Kühen nur noch nach vorheriger Laboranalyse des Erregers erlaubt, erhöhen die Tierarztkosten. Dög: "Unter solchen Bedingungen schreiben nur wenige Betriebe eine schwarze Null."

Während die Milchkuhhalter über Jahrzehnte versuchten, den unaufhaltsamen Dreh an der Kostenschraube durch höhere Milchleistungen pro Kuh auszugleichen, setzt nun ein Umdenken ein. Während in den 1990er-Jahren die in der DDR gehaltenen Schwarz-Bunten Milchkühe etwa 4000 Kilogramm Milch pro Jahr gaben, stieg die Milchleistung bis 2017 durch Einkreuzungen sowie Haltung anderer Rassen und einer veränderten Futterzusammenstellung auf 9568 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr. Die Kühe leben aber nicht lange. Nicht einmal fünf Jahr werden sie im Durchschnitt alt, obwohl ihre natürliche Lebenserwartung eigentlich bei mehr als zehn Jahren liegt. Dög dazu: "Heute gibt es andere Zuchtziele.

Nicht mehr die Erhöhung der Milchleistung steht im Vordergrund, sondern Merkmale wie Fitness, Langlebigkeit, Euter- und Klauengesundheit." Im Gegenzug bekommen die Tiere weniger Kraftfutter. Das Milchbauernsterben lässt sich damit trotzdem nicht aufhalten: "Es fängt niemand mit der Milchkuhhaltung neu an. Manche Hofnachfolger entscheiden sich zwar für die Landwirtschaft aber gegen die Milchkuhhaltung", so Dög.

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