Wenn die Kunst Brücken baut

Tafelbilder und Reliefobjekte vereint die Ausstellung mit Werken von Gerd Kranz im Neuberinhaus. Nicht nur das junge Kunsthallen-Team beeindruckte den Künstler.

Reichenbach.

Der Förderverein Kunsthalle Reichenbach hat mit Gerd Kanz erneut einen besonderen Künstler nach Reichenbach geholt. Seine Ausstellung "Brückenschlag" ist am Freitagabend im Neuberinhaus eröffnet worden. Die Besucher der Vernissage blieben noch lange nach dem offiziellen Teil - bei Gesprächen über Kunst oder über Gott und die Welt sowie der jazzig angehauchten Musik von Jakob Maas (Piano) und Christian Schmidt (Schlagzeug) aus Zwickau.

"Wenn das die Jugend von hier ist, braucht man sich über die Zukunft der Stadt keine Gedanken machen", fand Laudator Matthias Liebel. Der promovierte Kunsthistoriker würdigte das künstlerische Schaffen von Gerd Kanz, der in Erlangen geboren und in Wuppertal und Coburg aufgewachsen ist, an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg studierte und heute überwiegend in Mittelfranken lebt. Seit Abschluss des Studiums 1993 ist er freiberuflich als bildender Künstler tätig.

Die ausgestellten Werke lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Tafelbilder in verschiedenen Größen sowie dreidimensionale Reliefobjekte aus Styrodur. "Ausgangs- und Trägermaterial der Gemälde sind meist hölzerne Platten, deren Oberflächen mit Stemmbeitel, Hammer oder Axt aufgebrochen, manchmal gar flächig gesprengt und nach formalgestalterischen Gesichtspunkten neu zusammengesetzt werden", so der Laudator. Dadurch entstehe ein "reliefartiges Linien- und Flächengespinst", das anschließend eine malerische Behandlung mit Öl- und Pigmentfarben in mehreren Schichten erfährt. "Thematisch speisen sich die Werke überwiegend aus Beobachtungen in der freien Natur", sagte der Kunsthistoriker. Dem Betrachter fällt es nicht schwer, geflügelte Wesen, Steinmauern, Blumen oder Landschaften zu erkennen, "trotz stark vereinfachter, halb-abstrakter gestalterischer Stilisierung".

Um die Büste der Neuberin sind die Objekte gruppiert. "Motivisch definieren sich diese Wandobjekte mit ihren vielfach an- und übereinandergereihten Rundbögen als modellhaft inszenierte Architektur", so der Laudator. Während er an antike Pracht- und Stadionarchitektur, den Turmbau zu Babel oder die mysteriösen Arkadengänge bei Giorgio de Chirico denkt, fällt dem Vogtländer sofort ein anderes Bauwerk ein: die Göltzschtalbrücke. "Ich kenne sie nicht, aber morgen früh werden wir hinfahren", sagte Gerd Kanz, auf die Ähnlichkeit angesprochen. "Ich hatte schon viele Ausstellungen, aber so etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt. So ein junges Team! Ich freue mich, dass ich hier sein darf", erklärte der Künstler. "Auch das Publikum der Vernissage ist sehr jung. Bei uns in Franken ist das durchaus anders", sagte Frank Liebel. Und noch eine Erkenntnis nahm der Kunsthistoriker mit: Dass Wolfgang Mattheuer hier geboren ist. "Das wusste ich nicht", gestand er.

Vereinsvorsitzender Severin Zähringer zog Bilanz und gab einen Ausblick auf 2020. Mit den Ausstellungen im Neuberinhaus, der Unterstützung des Ibug-Festivals und der Aktivitäten im Bauhausjahr habe der Verein gezeigt, "welche Brücken Kunst bauen kann und wie wichtig diese sind. Gerade in Reichenbach müssen wir mehr solcher Brücken aufbauen. Die Brücke als Symbol für Überwindung von Unüberwindbaren, die Brücke als Zeichen von Veränderung", erklärte er. Die Ausstellung "Brückenschlag" ist bis 12. Januar im Neuberinhaus zu sehen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...