Wetter kippt sportlichen Terminplan für Stadionbau

Zwei Monate Zeitverzug sind beim Kunstrasenplatz in Lengenfeld eingetreten. Neuer Fertigstellungstermin: Mitte Oktober. Die Fußballer konnten mit Beginn der Saison keine Heimspiele austragen und auch nicht trainieren.

Lengenfeld.

Noch im Frühjahr hofften die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Sportler des VfB Lengenfeld, Mitte August den neuen Kunstrasenplatz am Sportstadion rechtzeitig zu Beginn der neuen Spielsaison in Betrieb nehmen zu können. Die Hoffnungen haben sich in Luft aufgelöst. Inzwischen wären alle Beteiligten froh, wenn der zweite Termin zwei Monate später, Mitte Oktober, zu halten ist.

Der VfB konnte nicht, anders als gehofft, das Training und die Wettkämpfe auf dem eigenen Gelände stattfinden lassen. Stattdessen mussten Punktspiele verschoben und Strafen gezahlt werden. Der Trainingsbetrieb mit mehr als einem Dutzend Trainingsgruppen pro Woche ist auf mehrere Sportplätze in der Umgebung verteilt. Der Vereinsvorsitzende Jürgen Frank, der zugleich für die BIL im Stadtrat sitzt: "Das alles belastet uns sehr und ist mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden."

Frank ist jedoch weit davon entfernt, der Stadtverwaltung den schwarzen Peter zuzuschieben. Stattdessen beschreibt er die Zusammenarbeit als konstruktiv. Allein drei Zusammenkünfte in den zurückliegenden Wochen waren notwendig, um Details zu klären. Frank: "Wir sind dabei, einen Konsens zu finden." Es gibt neben den eigentlichen Bauarbeiten auch unbeantwortete Fragen: Wer kommt künftig für die Pflege des Kunstrasenplatzes auf? Dieser muss im wöchentlichen Turnus mit Spezialtechnik gereinigt und gebürstet werden. Wer kommt für die Kosten der Spezialtechnik auf? Wer mäht künftig welche Rasenflächen? Welches Personal steht dafür zur Verfügung? Wer trägt welche Kosten? "Erst, wenn alle Entscheidungen gefallen sind, wollen wir damit an die Öffentlichkeit gehen", so Frank.

Auch der städtische Bauamtsleiter Dirk Brandt hält sich bedeckt: "Was die Spezialtechnik zur Pflege des Kunstrasens kostet, steht noch nicht fest. Wir sind gerade dabei, Angebote einzuholen." Der Zeitverzug beim Bauablauf habe mehrere Ursachen, so Brandt. Zum einen war der angesetzte Termin selbst schon sehr sportlich gewählt, wie sich der Bauamtsleiter vor einigen Monaten einmal ausdrückte. Dann kamen Wetterkapriolen dazu. Brandt sagte: "An etlichen Tagen ging gar nichts, der Untergrund war durch Regen aufgeweicht und konnte mit Technik nicht befahren werden."

Gegenwärtig verlegt eine Berliner Firma den Kunstrasen. Die dort tätigen Mitarbeiter gehen je nach Wetterlage von maximal drei Wochen Verlegezeit aus, aber es könnte auch schneller gehen.

Es habe auch das zeitliche Zusammenspiel der einzelnen Firmen nicht immer gepasst, berichtet Frank. "Die Firma, die den Kunstrasen verlegt, konnte nicht kommen, als die Baufirma mit dem Untergrund fertig war." Das Unternehmen ist deutschlandweit tätig und war zu diesem Zeitpunkt noch auf einer anderen Baustelle im Einsatz.

Bauamtsmitarbeiter Denis Arnold, der das Projekt betreut, berichtet, dass ein komplizierter und normgerechter Aufbau der einzelnen Schichten vorgeschrieben sei. Einer Schicht Frostschutz und zwei verschiedenen Tragschichten folge der 4,2 Zentimeter dicke Kunstrasen, den die Spezialfirma verknüpfe, verklebe und teilweise mit einem Granulat verfülle.

Auch auf dem Naturrasenplatz bestimmen Vorschriften der Deutschen Industrienorm den Bauablauf. Nach Fertigstellung des Unterbaus folgt auf zwei Drainageschichten die eigentliche Erdschicht mit der Raseneinsaat. Letzteres hat die Verwaltung jedoch für dieses Jahr ganz vom Zeitplan gestrichen. "Den Rasen werden wir wohl erst im Frühjahr einsäen können", nennt Brandt die neuerliche Vorgabe.

Wie es danach weitergeht, erklärt Arnold: "Erst mal gar nicht, denn der Rasen braucht etwa ein Jahr, um so anzuwachsen, dass er bespielbar ist." Das heißt, erst 2018 können die Fußballer auf dem Naturrasenplatz wieder den Ball über das Spielfeld treiben. Bei allem Zeitverzug scheinen sich aber die Kosten nicht nach oben zu bewegen. "Aus heutiger Sicht bleiben die Kosten in dem gesteckten Rahmen. Es gab keine Vorfälle, die auf eine Kostensteigerung hindeuten", so der Bauamtsleiter.

Derzeit liegen die veranschlagten Kosten etwa bei 2,7 Millionen Euro. Einen großen Teil davon erhält die Stadtverwaltung als Fördermittel zur Wiederherstellung des vom Hochwasser im Jahr 2013 geschädigten Sportstadions. Das Gelände stand nach tagelangen, anhaltenden Regenfällen einen halben Meter unter Wasser.

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