Wie Humboldt nach Reichenbach kam

Der vor 250 Jahren geborene Naturforscher stand Pate für den Naturkundeverein und ein Fest 1863. Mehr verrät ein Vortrag.

Reichenbach.

Eigentlich ist er täglich in Reichenbach präsent - mit der 1874 benannten Humboldtstraße. Vom Eckhaus Humboldtstraße/Zwickauer Straße 45 schaut er von der Fassade im zweiten Stock auf das lebhafte Treiben. Als dieses Haus 1890/92 vom Gründerzeitbaumeister Julius Lindner erbaut wurde, verewigte er Alexander von Humboldt (1769-1859) in Gestalt einer Büste an der Hausfassade. Wie kam Humboldt nach Reichenbach?

Alexander von Humboldt war ein deutscher Naturforscher mit einem weit über Europa hinausreichendem Arbeitsfeld. In der Zeit der Industriellen Revolution löste er ein gewaltiges Interesse an der Natur und den Naturwissenschaften aus.

Einer seiner glühenden Anhänger war Prof. Dr. Emil Adolf Roßmäßler (1806-1867). Seine Teilnahme am Frankfurter Parlament 1848 kostete ihm zwar die Professorenstelle in Tharandt, er machte sich aber danach einen Namen als naturwissenschaftlicher Propagandist, der zur Gründung von Naturvereinen und Museen anregte. In Johann August Ernst Köhler (1829-1903) fand er einen aufgeschlossenen Mitstreiter. Köhler war 1858 von Carl Bruno Weinhold als naturkundlicher Lehrer an die Reichenbacher Realschule geholt worden. Schon am 2. Februar 1859 gründete Köhler zusammen mit Reichenbacher Honoratioren und Fabrikanten in Anlehnung an Humboldt und Roßmäßler den ersten Naturkundeverein des sächsischen Vogtlands. Roßmäßler wurde Ehrenmitglied dieses Vereins: "Die Natur ist unser aller gemeinsame Heimat."

Roßmäßler hatte nach dem Tode Humboldts 1859 zur Gründung von Humboldt-Vereinen aufgerufen. Auch Humboldtfeste wurden aus der Taufe gehoben. Köhler nahm am III. und IV. Humboldtfest in Löbau und Halle teil und erreichte, dass der Reichenbacher Naturkundeverein den Zuschlag für das V. Humboldtfest erhielt. Dieses Fest fand vom 13. bis 15. September 1863 unter großer Anteilnahme der Reichenbacher statt, die ihre Stadt festlich geschmückt hatten. So fanden wissenschaftliche Sitzungen, Umzüge durch die Stadt sowie eine Gewerbe- und Produktenausstellung statt. Auch danach wurde Humboldt nicht vergessen. Der Fabrikant und Lehrer Carl Heinrich Müller stiftete 1866 ein Reliefbrustbild von Alexander von Humboldt. Zum 100. Geburtstag Humboldts 1869 wurde er mit einer Festveranstaltung des Naturkundevereins und einem Festakt der Realschule geehrt. Auch später trug der Naturkundeverein das Andenken Humboldts weiter.

Anlässlich des 250. Geburtstages dieses großen Deutschen bietet der Verein Aqua et Natura im Alten Wasserwerk im Park der Generationen am Dienstag, 17. September, 17 Uhr einen Vortrag von Wolfgang Viebahn "Alexander von Humboldt und Reichenbach" an. (wovi)

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