Wie Phönix nach der Flut: Bläuling sorgt für ein Wunder

Im Fürstlich Greizer Park sind viele Schmetterlingsarten zu erleben. Rund um den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling existiert eine ganz spezielle Lebensgemeinschaft.

Greiz.

Es sind oft die kleinen Lebewesen, die eine große Geschichte schreiben. Im Fürstlich Greizer Park, der das ehemals höfische Lustschloss mit einem spätklassizistischen Landschaftspark verknüpft, ist das einem kleinen Schmetterling gelungen: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) entfaltet hier eine ganz spezielle Lebensgemeinschaft mit dem Großen Wiesenknopf und Wiesenameisen, zumeist der Rotgelben Knotenameise. Der europaweit streng geschützte Schmetterling verfügt über zimtbraune Flügelunterseiten mit nur einer Reihe schwarzer, weiß umrandeter Flecken auf Vorder- und Hinterflügel. Beim Männchen ist die Flügeloberseite graublau.

Nördlich vom mit gelbem Granitsand bedeckten Weg, an dem der kurz geschnittene Rasen endet, der den Blick auf Sommerpalais und Pinetum freigibt, erstrecken sich naturbelassene Feuchtwiesen. Dort gedeiht in dichten Beständen der Große Wiesenknopf. Diese Pflanze, bekannt auch als Blutströpfchen, zählt zu den Rosengewächsen und hat blutrote, eiförmige Blütenköpfchen.

"Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling lebt nur von dieser Pflanze", erklärt Christian Wonitzki, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Greizer Park, bei einem Spaziergang durch den Park. Zur Blütezeit im Hochsommer, also gerade jetzt von Juli bis August, kann man oft zahlreiche Bläulinge auf ihrer Futterpflanze beobachten. Die Falter ernähren sich vom Nektar, sie schlafen, balzen und paaren sich auf ihm. Auch ihre Eier legen sie ausschließlich auf dem Großen Wiesenknopf ab. Die Blüten dienen den jungen Raupen als Versteck und als Futter. Nach der zweiten oder dritten Häutung lassen sich die Raupen herabfallen und werden von Wiesenameisen in deren Erdnester geschleppt. "Dort werden sie aber nicht gefressen, sondern von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung von deren Larven ernähren. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Raupen feinste Geräusche erzeugen und spezielle Duftstoffe angeben, mit denen sie eine Ameisenkönigin imitieren", berichtet Wonitzki. Nach seiner sogenannten "Puppenruhe" schlüpft der Ameisenbläuling im folgenden Jahr als Schmetterling im Ameisennest und muss dann so schnell wie möglich das Weite suchen.

Auf den Feuchtwiesen im Fürstlich Greizer Park ist das ein eingespielter Zyklus. Doch einmal wurde es eng. "Beim Juni-Hochwasser 2013 hatte die Weiße Elster die Wiesen überflutet und mit Schlamm überzogen. Alle dachten: Das war es wohl für den kleinen Schmetterling. Doch dann geschah das Wunder", erinnert sich Christian Wonitzki. "In jenem Sommer hat es so viele Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläulinge wie noch nie im Park gegeben. Das ist ein Mysterium."

Dem ausgeklügelten Mahdregime ist es zu verdanken, dass die Wiesenknopfbestände großflächig erhalten bleiben und damit der Fortbestand der extrem spezialisierten Falter gesichert ist, deren Population im Park auf 1000 bis 1500 Exemplare geschätzt wird. Die Mahd erfolgt erst im Spätsommer, wenn der Wiesenknopf weitgehend abgeblüht ist und in der Regel keine Falter mehr fliegen. Um die Nester der Wiesenameisen zu schonen, wird nur leichte Technik eingesetzt. Das wurde mit Parkverwaltung, Unterer Naturschutzbehörde und dem Wiesenbewirtschafter abgestimmt.

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