Wie weiter, SPD? Benjamin Zabel gibt Fraktionsvorsitz ab

Der 31-jährige Hoffnungsträger äußert "Verständnis für AfD-Wähler" und will auf Landesebene für die überfällige Erneuerung seiner Partei kämpfen.

Plauen.

Der Plauener SPD-Politiker Benjamin Zabel steht seiner Partei im neu gewählten Stadtrat nicht mehr als Fraktionsvorsitzender zur Verfügung. Nach seiner Absage für den Kreistag ist das für die ohnehin gebeutelte SPD ein erneuter Verlust. "Natürlich werde ich mich weiterhin einsetzen und meine inzwischen zehnjährige politische Erfahrung einbringen", sagt der 31-Jährige zur "Freien Presse". Künftig werde er "mehr in der zweiten Reihe agieren".

Der Stadtratsfraktion habe er die Entscheidung mitgeteilt, die keinesfalls aus Enttäuschung oder Frust nach den schlechten Wahlergebnissen gefallen sei. Im Gegenteil, es gebe in der Fraktion keine Konflikte. Die SPD habe in Plauen genug neue Gesichter, die die Lücke füllen können. Es sei "keine Ein-Personen-Partei", sagt Benjamin Zabel und fügt ironisch an: "Auch keine Ein-Familien-Partei." Er saß bislang im Stadtrat gemeinsam mit seinem Vater Frank und seiner Ehefrau, der Landtagsabgeordneten Juliane Pfeil-Zabel, von der er getrennt lebt.

Als Hauptgrund für den Rückzug von der Fraktionsspitze gibt Benjamin Zabel seine "sehr starke berufliche Belastung" an. Seit Jahren habe er als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in Zwickau und parallel dazu als Fraktionschef von SPD und Grünen im Plauener Stadtrat sowie als Kreisrat sehr viel Zeit und Kraft investiert. Im gemeinsamen Sommerurlaub mit seiner siebenjährigen Tochter habe er überlegt, wie sich Beruf, Familie und Ehrenamt besser in Einklang bringen lassen. Deshalb jetzt dieser Schritt.

Auch nach Ansicht von Beobachtern hatte die SPD in Plauen ein schlüssiges Programm vorgelegt und einen engagierten Wahlkampf geführt. Dennoch verloren auch die Sozialdemokraten viele Stimmen an die AfD. Die hatte im Wahlkampf wenig Substanzielles geboten, konnte aber um 20 Prozent zulegen.

Es sind diese Entwicklungen, die Benjamin Zabel umtreiben. "Die SPD steckt in einer desolaten Verfassung", sagt er. "Wir haben Fehler gemacht." Die entscheidenden sieht er auf Bundesebene. Während bei den Grünen seit gut zehn Jahren politische Talente sprießen und erfolgreich Ideen entwickeln, sei die Sozialdemokratie mit ihrem immer und immer wieder gleichen Personal ausgelaugt, verbraucht und auch unglaubwürdig. Schließlich werde die SPD in der Groko wesentlich von jenen Amtsträgern vertreten, die Entscheidungen "zum Nachteil von Arbeitnehmern, Rentnern und Alleinerziehenden" getroffen hätten. Dieses klassische Klientel der Sozialdemokraten hatte kein Vertrauen mehr und wählte anders. "Ich habe Verständnis für diese AfD-Wähler", sagt Zabel. "Wir als SPD müssen unsere Schlüsse ziehen." Als Mitglied des SPD-Landesvorstandes und als Delegierter zum nächsten Bundesparteitag werde er sich für die überfällige Erneuerung ins Zeug legen.

Kurz vor der Absage an Plauens SPD-Stadträte hatte Zabel auch im Kreistag auf ein Amt verzichtet. Er galt dort als Favorit für die Nachfolge des langjährigen SPD-Fraktionschefs Lutz Kätzel. Der Reichenbacher Uwe Kukutsch sprang ein und appellierte an seine Mitstreiter, die Aufgaben auf breite Schultern zu verteilen. Er hoffe, sagt Kukutsch, dass es in nicht zu ferner Zeit ein Zabel-Comeback geben wird.

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