Wirbel um Burg-Auffahrt Mylau: Bäume tot oder Museum tot

Zwei Varianten für den grundhaften Ausbau des Burgbergs hat die Stadtverwaltung vorgelegt. Doch zum Beschluss kam es im Stadtrat nicht.

Reichenbach.

Die Sanierung der Auffahrt zur Burg Mylau muss warten. Der für Montagabend ins Auge gefasste Beschluss im Reichenbacher Stadtrat kam nicht zustande. Stattdessen wurde das Thema zur Diskussion in den Technischen Ausschuss zurückverwiesen. Ein entsprechender Antrag von Stadtrat Andreas Alders (Grüne), der zugleich Vorsitzender des Vereins Futurum Vogtland ist, der die Burg betreibt, wurde mit sieben Ja-Stimmen bei sechs Nein und jeder Menge Enthaltungen angenommen.

Die Mylauer hatten das Vorhaben Reichenbach im Vertrag zur 2016 erfolgten Fusion beider Städte ins Hausaufgabenheft geschrieben. Die Stadtverwaltung legte nun zwei Varianten vor: Variante A mit Stellplätzen bergan rechts, für die fünf der zehn Linden weichen müssten, und Variante B ohne Stellplätze, aber mit Begegnungsverkehr vorm Gärtnerhaus, für den zwei Bäume gefällt werden müssten. Rechts vorm Burgtor werden in beiden Varianten zwei Behinderten-Parkplätze geplant. Gesamtkosten: 427.000 Euro, davon 80 Prozent aus Fördergeldern.

"Variante A macht die Bäume tot, Variante B macht das Museum tot", kritisierte Andreas Alders. Bisher sei das Parken bergan zwischen den Bäumen kein Problem gewesen. Warum jetzt? Auch frage er sich, wieso die Parkplätze links vor der Burg weg sollen. Anders als in der Beschlussvorlage erwähnt, habe es in den letzten Jahren auch keine regelmäßige Instandhaltung am Burgberg gegeben. Alders fragte, warum nicht besser die Burgmauer für 450.000 Euro oder der untere Burghof für 180.000 Euro saniert werde. Er erklärte, Betreiber und Nutzer der Burg seien nicht rechtzeitig einbezogen worden.

Letzteres wies in der Stadtratssitzung der stellvertretende Mylauer Ortsvorsteher Andreas Lochmann (Linke) zurück. Die Sache laufe seit vier Jahren, auch der Futurum-Verein sei einbezogen worden. Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) erklärte zu Alders Aussagen am Dienstag auf Anfrage: "Das ist Polemik." Zum Ausbau des Burgbergs habe man sehr wohl Vertreter von Verein und Museum gehört. Er kenne auch keine andere Burg, bei der man bis vors Tor fahren könne.

Allerdings mögen Kritiker gegenhalten: Es findet sich so schnell auch keine andere Burg ohne ausgeschilderten Besucherparkplatz.

Die Sanierung des Burgbergs war in Mylau schon einmal 2013 geplant. 91.000 Euro standen dafür im Haushalt. Das Vorhaben wurde dann aber wegen des EU-Projektes für das Museum in der oberen Burg verschoben. Im Juli 2015 fasste der Mylauer Stadtrat einen neuen Beschluss, damals mit Kosten von 250.000 Euro. Diesmal blieb die Realisierung durch die Städtefusion auf der Strecke. Der Burgberg, so wurde damals beschlossen, sollte bis auf Ausnahmegenehmigungen für Hochzeiten und Co. für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden. Daran hält der Ortschaftsrat bis heute fest, der in seiner September-Sitzung einstimmig für Variante B votierte.

Burg Mylau ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Wehranlagen in Sachsen. Der gesamte Komplex steht seit 1980 unter Denkmalschutz. Die Linden an der Auffahrt stammen aus der Zeit von 1892 bis 1908.

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