Wo Fabrikanten ihre Wohnhäuser bauten

Die Reichenbacher Stadtführerin Regina Möller weiß, wie das Viertel zwischen Heine- und Goethestraße entstanden ist. Nicht nur repräsentative Häuser hatten dort ihren Platz.

Reichenbach.

Der Name Dichterviertel für das Gebiet um Lessing-, Heine- und Goethestraße in Reichenbach hat noch keine so lange Tradition. Das erfuhren die Teilnehmer am Stadtrundgang mit Regina Möller. Der Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland hatte dazu eingeladen. Die Stadtführern sagte dazu nach der Begrüßung am Ehrenmal an der Dr.-Külz-Straße: "Als Kind kannte ich den Namen Dichterviertel nicht." Ausgehend vom Kreisverkehr erklärte sie, dass dieser Platz schon vor der Industrialisierung eine große Bedeutung hatte, da sich dort wichtige Straßen und Wege, die aus der Stadt herausführten, trafen.

Die Dr.-Külz-Straße war damals die Greizer Straße und führte in die Richtung Transportgesellschaft und Bahnhof. Der sogenannte Kommunikationsweg ging nach Obermylau. Er war durch halbrunde Steine gekennzeichnet, von denen heute noch einer nahe des ehemaligen Diska-Parkplatzes vorhanden ist. Die Lessingstraße war eine Verbindung zur Altstadt und zu einem Fußweg, der im Volksmund Himmelsleiter genannt wurde. Die jetzige Bahnhofstraße war auch nur ein Fußweg. Der Weiterbau der Stadt in Richtung Bahnhof und Altstadt führte auch zum Straßenbau.

Mit dem industriellen Aufschwung entstanden rundherum Villen, von denen viele bereits sehr schön renoviert und restauriert sind. Die Stadtführerin meinte dazu: "Das Viertel müsste eigentlich Villenviertel heißen." Anders als in der Zeit zuvor, in der Wohnhäuser der Unternehmer gleich neben die Firma gebaut worden, war dort eine neue Qualität spürbar. Regina Möller: "Damals redete niemand von Umweltschutz. Die Dämpfe zogen ungehindert ins Freie. Der Wind kam meist aus Richtung Westen. Die Unternehmer bauten ihre Häuser also etwas weiter weg."

Für die Arbeiter sollte es Erholungsflächen geben, aus denen Kleingartenanlagen hervorgingen. Die erste Anlage in Reichenbach war die vom Burgberg. Dorthin führte der Spazierweg, nachdem die Gruppe von der Goethestraße über die Schillerstraße zur Heinrich-Heine-Straße gegangen war und am Mittelpunkt des damaligen Neubauviertels - dem Polizeirevier und früheren Amtsgericht mit Gefängnis - Halt gemacht hatte. Regina Möller steuerte allerhand Wissenswertes zu den einzelnen Gebäuden in den Bereich bei. So mancher Teilnehmer nahm dabei erstmals Verzierungen der Gebäude wie die an der Hansa-Schule richtig wahr. Dort ist der Merkur als Symbol der Handelsleute angebracht.

Die Stadtrundgänge finden in unregelmäßigen Abständen statt. Bei der vorhergehenden Auflage waren die Teilnehmer im Neubaugebiet West unterwegs.

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