Wohlfühlprogramm für Kühe zahlt sich für Landwirte aus

Zum fünften Mal liegen die Kühe der Agrargenossenschaft Reichenbach bei der Milchleistung ganz vorn. Von selbst stellt sich so ein Erfolg nicht ein.

Rotschau.

Den Wanderpokal für den Betrieb mit der höchsten Milchleistung im Vogtland kann der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Reichenbach, Lars Bittermann, gleich in seinem Büro stehenlassen. Ab und zu muss das gute Stück entstaubt werden, denn der Pokal hat seinen festen Platz im Regal schon seit vier Jahren: "Insgesamt ist das unser fünfter Titel. 2014 waren wir auch schon einmal der beste Betrieb", so der Geschäftsführer. Auch den sachsenweiten Vergleich muss der Betrieb nicht scheuen. Dabei schaffte er es unter den 567 sächsischen Milchviehbetrieben auf Platz zwei.

In Zahlen liest sich dieser Erfolg so: Jede der 1161 Milchkühe des Betriebes hat im Zeitraum vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 durchschnittlich 12.386 Kilogramm Milch gegeben. Das sind mehr als 14 Millionen Kilogramm Milch in einem Jahr. Der Sächsische Landeskontrollverband, der einmal im Monat die Milch einer Überprüfung unterzieht und am Jahresende die Ergebnisse der Auswertung bekannt gibt, erfasst dabei auch die Inhaltsstoffe. Im Fall der Rotschauer Milchviehanlage stehen 4,3 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß zu Buche. Lars Bittermann erklärt, warum es für den Betrieb wichtig ist, eine hohe Milchleistung mit bester Qualität zu kombinieren: "Die Bezahlung der Milch erfolgt nach der Höhe des Fett- und Eiweißgehalts. Je höher die Qualität der Milch, desto höher die Erlöse." Bittermann: "Wir machen das nicht wegen dem Pokal, sondern aus wirtschaftlichen Gründen." Wirtschaftlich vorteilhaft sei es, gesunde und robuste Kühe im Stall stehen zu haben. Auch solche Daten erfasst der Landeskontrollverband seit einigen Jahren. Bittermann: "Bei dieser Auswertung stehen wir im sächsischen Vergleich an zehnter Stelle. Da geht also noch ein bisschen was." Da könne noch an den Stellschrauben gedreht werden. Bittermann: "Derzeit beträgt das Lebensalter unsere Kühe durchschnittlich knapp fünf Jahre, besser wären sechs. Trotzdem haben wir aber auch Kühe, die älter sind, eine ist schon zehn Jahre."

Wie solche Zahlen zu erreichen sind, weiß Diana Lenk-Gläser am besten. Sie leitet die Milchviehanlage und sagt: "Wir müssen dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht und jede Art von Stress von ihnen fernhalten, und sie müssen ein hochwertiges Futter bekommen." Für Milchkühe seien jeden Tag gleiche Abläufe wichtig. Die Anlagenleiterin: "Auf Veränderungen reagieren die Tiere empfindlich."

Dreimal am Tag gehen die Kühe zum Melken ins Melkkarussell. Drei bis vier Stunden täglich fressen sie. 13 bis 14 Stunden verbringen die Kühe mit Liegen und Wiederkäuen. Dafür benötigen sie weiche, trockene und bequeme Boxen. Lars Bittermann hat eine Faustregel aufgestellt, nach der er das Wohlbefinden der Tiere erkennt: "Wenn 80 Prozent der Kühe liegen, dann ist alles in Ordnung."

Doch das alleine reiche natürlich nicht, um den Gesundheitszustand der Kühe zu beurteilen. Die Milchviehanlage ist mit einem elektronischen Tierüberwachungssystem für jedes einzelne Tier ausgestattet. Das System zeichnet die Bewegungsaktivitäten und das Fressverhalten auf und erfasst die Körpertemperatur. Bei Auffälligkeiten sortiert das System die betreffende Kuh am Melkstand aus. Zusätzlich achten noch die Treiber und die Melker auf die Kühe. Diana Lenk-Gläser: "In den meisten Fällen muss also niemand im Stall herumlaufen und nach einer bestimmten Kuh suchen." Bei notwendigen Behandlungen sei sofort eine Tierärztin zur Stelle. Sie ist in der Agrargenossenschaft fest angestellt. Diana Lenk-Gläser: "Wir können so schon zu einem Zeitpunkt reagieren und uns um kranke Tiere kümmern, wenn diese äußerlich noch gar keine Krankheitsanzeichen aufweisen. Das ist ein Riesenvorteil."

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