Wurstfabrik Walter Schaller legt bei Oma Hildes Spezialitäten zu

Neben Köstlichkeiten aus dem Glas gibt es in Zukunft auch ein SB-Wurst-Sortiment. Mit Rezepturen von einst und der echten Großmutter des Chefs.

Reichenbach.

Die Reichenbacher Wurstfabrik Walter Schaller hat entschieden, sich mehr auf ihre Ursprünge zu berufen. Dazu wird die bekannte Produktstrecke "Oma Hildes Spezialitäten" ausgebaut. "Seit längerem hatten wir ja schon Oma-Hilde-Konserven deutschlandweit im Angebot. Der Handel sprach uns an, ob wir nicht wieder SB-Wurst machen könnten. Unter neuen Voraussetzungen können wir das!", sagt Inhaber Ralf Schaller.

Dabei hatte sich das Unternehmen schon einmal aus diesem Segment zurückgezogen. Als kleiner Mittelständler könne man dem Preiskampf nicht standhalten, hieß es noch 2014. Jetzt also die Rolle rückwärts. Die kontrollierte Qualität, glutenfrei, ohne Geschmacksverstärker und arm an Konservierungsstoffen sowie die Herstellung nach überlieferten Familien-Rezepturen als regionales Produkt machen es möglich.

Neben Wurst, Eintöpfen und Suppen im Glas wird es fortan ein Wurstsortiment für die Selbstbedienungstheken geben. Die Palette reicht von Blut-, Leber- und Jagdwurst über Wiener, Bockwurst, Knacker und Leberkäse bis zu Rostern mit und ohne Darm. Die Markteinführung erfolgt ab dem 8. November in vorerst 17 Kaufland-Filialen in Südwestsachsen und in Greiz, kündigt Ralf Schaller an. 5000 Produktpackungen gehen an den ersten Tagen in die Regale. Weitere Märkte haben seinen Worten zufolge schon Interesse angemeldet.

Hinzu kommt eine Besonderheit: "Oma Hilde ist kein Fantasiename wie bei Marken anderer Unternehmen. Sie ist wirklich meine Großmutter gewesen", macht Ralf Schaller aufmerksam. Sie hieß Hildegard, wurde aber Hilde genannt. Er erinnert sich: "Wenn ich als Kind bei Oma Hilde nach der Schule zu Besuch war, gab es immer die besten und leckersten Gerichte. Omas und Opas Rezepte waren überall bekannt und beliebt."

Ein Konterfei der Großmutter mit Schürze und Rührschüssel wird alle Wurstverpackungen zieren. Wer den QR-Code auf der Packung scannt, landet auf einer extra angelegten Oma-Hilde-Seite im Internet, die ebenfalls am 8. November freigeschaltet werden soll. Dort kann man mehr über diese Frau erfahren, die selbst einer Fleischerfamilie entstammte und nach der Enteignung der Wurstfabrik durch die sowjetische Besatzungsmacht im Jahr 1946 die Familie zusammenhielt.

Die Oma-Hilde-Schiene wird inklusive der Glaskonserven einen Anteil von 35 bis 40 Prozent der Gesamtproduktion der Wurstfabrik Schaller einnehmen, schätzt der Chef. Das Unternehmen zählt zusammen mit der Genuss-Werkstatt von Kathleen Schaller 35 Beschäftigte. Ein neuer Arbeitsplatz sei für die Verpackung der neuen Produkte entstanden.


Wer war Oma Hilde?

Hilde Schaller, geborene Hering, wurde im Mai 1911 als Tochter von Kurt und Hedwig Hering, die eine Fleischerei in Reichenbach besaßen, geboren. Sie lernte den Beruf einer Verkäuferin. 1934 heiratete sie Walter Schaller senior und half in dessen Wurstfabrik an der Schlachthofstraße. Da das Unternehmen auch die Wehrmacht beliefert hatte, wurde es 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. 1949 übernahm Hilde Schaller eine Handelsvertretung für Fleischsalat und Mayonnaise von der Fleischergenossenschaft Auerbach. Als ihr Mann 1954 den weggenommenen Gewerbeschein wieder erhielt, starteten sie gemeinsam mit Sohn Walter in der Bahnhofstraße 42 die Produktion von Fleischsalat, Mayonnaise, Rostbratwürsten und Brühwurst. Nach 1990 die Rückübertragung der Wurstfabrik abgelehnt. Am "doppelten Unrecht" zerbrach Hilde Schaller und verstarb noch im selben Jahr. Walter Schaller junior entschied sich zum Neubau der jetzigen Wurstfabrik in der Buchenstraße. (gb)

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