Richter ist bei Anwalt gnadenlos

Bußgeld: Eiliger Jurist mit Widerspruch erfolglos

Plauen.

Was passiert, wenn ein findiger Rechtsanwalt mit dem Auto zu schnell unterwegs ist und geblitzt wird? Er versucht, mit rechtlichem Beistand eines Kollegen der Strafe zu entgehen. Aber auch das gelingt nicht immer.

Am Amtsgericht wurde jetzt zum Widerspruch eines Plauener Anwalts gegen einen Bußgeldbescheid in Höhe von 72 Euro verhandelt. Innerhalb einer Ortschaft war er mit elf Kilometer/Stunde über Limit geblitzt worden. Dazu hatte er - wie das Beweisfoto nahelegte - noch telefoniert. Der Anwalt legte Widerspruch ein, nahm sich einen Rechtsbeistand aus seiner eigenen Kanzlei und zog vor Gericht. "Die Geschwindigkeitsüberschreitung gibt er zu, aber telefoniert hat er nicht", sagte der Verteidiger. "Es war ein Diktiergerät und kein Telefon."

Der Richter sah sich das Blitzfoto an und sagte: "Das glaube ich ihnen nicht." Zwar sei das Foto nicht allzu deutlich, doch erkenne er ein kleines Lämpchen - ein Zeichen dafür, dass man mit dem Ding wohl auch fotografieren könne. Das gehe nun mal mit einem Diktiergerät nicht. Auch andere Indizien deuteten auf ein Telefon hin.

Im Verkehrssünderregister ist der Anwalt bereits mit vier Verfehlungen eingetragen, alle wegen Tempoüberschreitungen in und außerhalb von Ortschaften. Die Angaben verlas der Richter, bevor er sich zu einer kurzen Bedenkzeit zurückzog. Dann folgte sein Urteil: Es bleibt dabei. 72Euro Bußgeld, dazu die Gerichtskosten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Eine Woche bleibt dem Verkehrssünder zum Überlegen. (sher)

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