Stadt Plauen springt für Landkreis in die Bresche

Streit um Jugendarbeit: Sozialbürgermeister schreibt an Vereine

Plauen.

Die Stadt Plauen will für den Vogtlandkreis in die Bresche springen und derzeit für 2020 offene Sach- und Betriebskosten in Kinder- und Jugendeinrichtungen vorfinanzieren. Das hat der zuständige Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) in einem Schreiben an die Träger der Einrichtungen erklärt. Zugleich zeigt Zenner sich davon überzeugt, dass die Stadträte die dafür benötigten Mittel von rund 100.000 Euro freigeben.

"Wir werden den Stadträten verschiedene Vorschläge unterbreiten", sagt Zenner. Zugleich bekräftigte er die Erwartungshaltung der Stadtverwaltung, dass der per Gesetz zuständige Vogtlandkreis doch noch für eine auskömmliche Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit sorgt. Haushaltskonsolidierung sei kein Gegenargument: Die Stadt befinde sich ebenso in dieser Phase wie der Vogtlandkreis. Das Landratsamt hat noch für Januar Gespräche mit betroffenen Kommunen und Trägern der Jugendarbeit angekündigt.

Zenners Botschaft ist unterdessen in den ersten Jugendhäusern angekommen. Peggy Schöffler-Gadsch vom Jugendzentrum Oase teilte mit: "Nun ja, die Probleme sind nach wie vor nicht endgültig gelöst, aber es sieht so aus, als würde die Stadt Projekte sichern, sollte der Vogtlandkreis seiner Verpflichtung nicht nachkommen." Der Jugendtreff im Chrieschwitzer Hang veröffentliche am Dienstag sein Monatsprogramm mit Verspätung: "Wir wussten bis vor wenigen Stunden nicht, ob eine Chance besteht, dass eine Finanzierung ... zustande kommt." Das Kindercafé Mücke, das seine Schließung ab Januar angekündigt und so zuerst auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht hatte, äußerte sich noch nicht, ab wann es wieder offen sein wird.

Die in Plauen aktive Kleinpartei Der Dritte Weg versucht unterdessen, die ungeklärte Situation für ihre Zwecke zu nutzen. Die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Rechtsextremen werben unter Verweis auf die Misere für Jugendangebote in ihren Räumen. Kreisrat Tony Gentsch kündigt zudem an, das Thema im nächsten Kreistag aufgreifen zu wollen.


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Distelblüte
    09.01.2020

    Bitte den letzten Abschnitt des Artikel s beachten. Wo der Staat (in diesem Fall der Landkreis) seine Pflicht vernachlässigt, wittern andere die Schwachstellen.
    Sowas nennt man Schäden anrichten durch Unterlassung.

  • 2
    0
    MPvK87
    09.01.2020

    Abgesehen davon, dass die Situation nie hätte so eskalieren dürfen, ist die Entscheidung von Zenner ein starkes Statement.
    Jetzt gilt es retten was zu retten ist, und danach aufarbeiten.
    Ich finde sein "Machtwort" angemessen und wichtig!