Zwei Kämmerer ein Herz und eine Seele

Reichenbachs Ex-OB Kießling und sein Ex-Kollege Hüsemann radeln im Urlaub gemeinsam. Bisher nicht in Sachsen - warum?

Reichenbach.

Sie waren beide Kämmerer in ihren Heimatstädten, und sie waren sich bei ihrer ersten Begegnung im Juli 1990 auf Anhieb sympathisch: der Reichenbacher Dieter Kießling und der Nordhorner Meinhard Hüsemann. Später stiegen beide auf: Der vogtländische CDU-Politiker Kießling (heute 67) wurde Oberbürgermeister in Reichenbach. Der SPD-Politiker Hüsemann (heute 71) wurde zum Stadtoberhaupt in der niedersächsischen Partnerkommune gewählt. Obwohl ihre aktive Zeit vorbei ist und beide heute Polit-Rentner sind, lebt diese Freundschaft zwischen Ost und West seit 28 Jahren. Und wie.

Im Sommer 2018 radelten Meinhard Hüsemann und Dieter Kießling mit ihren Ehefrauen gemeinsam eine Woche lang durch die unterfränkischen Weinberge am Main. Mit dabei auch Amtsrichter Bernd Fischer und Gattin - sie sind befreundete Nachbarn der Kießlings. "Wir waren rund 40 Kilometer täglich mit dem Rad unterwegs", erzählt Reichenbachs Ex-OB und gerät ins Schwärmen. Weinberge, Ortschaften, Klöster - "eine wunderschöne Gegend". Selbstredend gehörte auch der Genuss in der lieblichen Wein-Region mit ihren urigen Lokalen und Biergärten mit dazu.

Und es ist nicht der erste gemeinsame Urlaub der beiden Ex-Stadtoberhäupter der Partnerstädte Nordhorn und Reichenbach. Gemeinsam waren sie schon jenseits der nahe Nordhorn verlaufenden deutsch-holländischen Grenze unterwegs. Auch durch die Pfalz radelten Kießlings und Hüsemanns zusammen. Und durchs Markgräflerland in Deutschlands südwestlichster Ecke. Und auch in Nordhorn verbrachten sie schon gemeinsame Radurlaubstage. Aber bisher nicht im Vogtland, doch warum?

Es liegt gewiss nicht an der Landschaft. "In Sachsen wurde 25 Jahre lang der Radwegebau vernachlässigt", sagt Kießling achselzuckend. In seiner aktiven Zeit habe ihn das oft genug gewurmt. Die Versuche, Versäumnisse nachzuholen, kommen recht spät. Dennoch: Voraussichtlich soll es in nächster Zeit durchs Leipziger Neuseeenland gehen, weil dort eine neue Infrastruktur ohne die alten Defizite und Fehler entsteht.

Gern erinnert sich Dieter Kießling an die fachliche Hilfe durch Meinhard Hüsemann vor allem in den Anfangsjahren. "Ich konnte ihn fragen, so oft ich wollte." Wenn der Vogtländer in der Grafschaft Bentheim weilte, übernachtete er nie im Hotel, sondern bei Hüsemanns. Ebenso lief es bei den Besuchen des Niedersachsen in Sachsen.

Die Freundschaft der beiden hat die Städtepartnerschaft mit getragen. Auch im Textarchiv der "Freien Presse" finden sich etliche Veröffentlichungen. Beide erwiesen sich auch als Freunde großer Gesten - davon künden Fotos von gemeinsamen Baumpflanzungen oder vom Tortenanschnitt im Duett. "Manchmal", sagt Dieter Kießling, "braucht es diese Gesten. Wichtig ist, dass sie von Herzen kommen."

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