Zwischen Flipflops und Gummistiefeln

Das Wetter beim 18. L*abore-Festival in Hauptmannsgrün schwankte am Wochenende zwischen sommerlich heiß und matschig nass. Die Festivalbesucher ließen sich davon die Laune nicht verderben.

Hauptmannsgrün.

Die 18. Auflage des Festivals L*abore am Mühlteich in Hauptmannsgrün hat am Wochenende Menschen verschiedener Generationen, unterschiedlicher Musikgeschmäcker und aus aller Herren Länder zusammengeführt. Herkunft, Religion, Geldbörse - all das spielte bei der familiären Veranstaltung des Netzschkauer Vereins Borwaerk keine Rolle. Das sagten Teilnehmer, Mitwirkende und Organisatoren unisono.

Zwar wechseln die Festival-Bands jedes Jahr, doch viele der Besucher sind Stammgäste. Michael Marx aus Elsterberg hat noch keine Auflage verpasst und ist extra wegen des Festivals aus dem Urlaub zurückgekommen. "Hier treffe ich Freunde, die ich sonst kaum sehe, auch Leute von hier, die inzwischen in der Schweiz oder in Österreich leben. Bei der Musik ist für jeden etwas dabei", sagte er. Besonders gut hat ihm am Freitag die letzte Band gefallen: AK/DK aus Brighton/Großbritannien spielten Elektro-Punk mit viel Perkussion und Synthesizern. Bernhard Schepers aus Holland, der in bewährter Weise die Moderation übernommen hat, begeisterte sich zum Beispiel für Häxxan aus Tel Aviv/Israel. "Die haben alles gerockt. Da sind die Leute total abgegangen", erklärte er. Auch Zulu Zulu aus Mallorca lobte der Niederländer.

Das alles war jedoch nichts gegen den Berliner Kindermusiker Bernhard Lütke, der am Samstagnachmittag für Kinder und Eltern den "Bummelkasten" gemacht hat. Die Kinder hingen bei einer musikalischen Reise oder dem Nervsong an seinen Lippen, auch die Eltern hatten jede Menge Spaß. Während des Auftritts waren viele der Kinder, die sonst im Teich badeten oder auf dem Familien-Zeltplatz spielten, auf die Wiese am Hang gekommen. Anschließend rockten sie zur Kinder-Disko ab, während in der Zelt-Bühne mit Lonski & Claasen aus Berlin ein eher ruhiges Duo auftrat. Mit deren erstem Ton endete ein Regenguss. Die Festivalteilnehmer tauschten die Flipflops gegen Gummistiefel, ein paar Kinder fanden es himmlisch, durch die Pfützen zu waten.

"Ich kenne gut die Hälfte der Leute hier. Jedes Jahr kommen mehr Familien", meinte Ben Hähnel, der aus Reichenbach stamm. Er findet es sehr praktisch, dass man sich bei dem Festival auch selbst mit einbringen kann. Das sei gut für Leute, die keinen dicken Geldbeutel haben und so Geld sparen. Marco Dähmlow, ein Mann der ersten Stunde beim Verein Borwaerk, hatte seine vier Kinder dabei. "Hier sieht man erstaunlich gut, wie eine Idee über so viele Jahre funktioniert", sagte er. Festivalneuling ist hingegen Oliver Price aus der Provinz Gelderland/Niederlande. Er bekam die Eintrittskarte von seiner Cousine als Geschenk zum 18. Geburtstag. "Das Festival hat mein Leben verändert. Es ist fantastisch hier, und ich habe so eine entspannte Atmosphäre und diese Essensvielfalt noch nirgendwo anders erlebt. Mir gefällt, wie die Leute miteinander umgehen", sagte er. Besonders lobte er die Burger, egal ob vegetarisch oder mit Fleisch. Vor seinem Besuch hatte er bei Festival und Deutschland eher an Bier und Currywurst gedacht, doch L*abore bot deutlich mehr.

Das Gelände war aufwändig dekoriert. Am Zaun hingen die Flaggen der Länder, aus denen Musiker oder Gäste anreisten. Neben der Musik wurden Beschäftigungen angeboten, zum Beispiel ein Zelt für Musikinstrumente, in dem sich jeder ausprobieren konnte. "Wenn jemand kein Rhythmusgefühl hat, klingt es schaurig", meinte Michael Marx, doch das treffe ja zum Glück nur auf wenige zu. Wer unter Verspannungen litt, konnte sich im Massagezelt davon befreien lassen. Auf die Kinder wartete der Seifenblasensee von Alexander Bakker, der auch Kunststückchen vorführte und auf ein Floß im Mühlteich einlud, auf dem es kostenlos Pfannkuchen und Limo gab. Er hatte ein weiteres Floß an einer Leine hängen, mit dem sich Kinder quer über das Wasser bewegten. So wie er halfen viele, um das Familienfestival zu einem Höhepunkt werden zu lassen.

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