Warum brüten Pinguine weitab vom Meer?

Neulich sah ich eine Sendung über die Wanderung der Pinguine aus dem Meer zu ihren Balz- und Brutplätzen. Sie mussten in der Kolonie 20 Tage dorthin wandern. Die hungrigen wanderten zurück zum Meer und dann gesättigt und mit Futter für die geschlüpften Kleinen zurück zur Kolonie. Nun frage ich: Warum müssen sie so weit weg vom nahrhaften Meer und zurück, können sie nicht einfach näher am Strand bleiben und deutlich schneller satt werden? Starke Stürme gab es an den Brutplätzen auch. Es ist doch sonst in der Natur alles praktisch eingerichtet. (Diese Frage hat Gisela Pügner aus Crottendorf gestellt.)

Um das Wanderverhalten von Kaiserpinguinen besser zu verstehen, muss man betrachten, wie genau ihre Routen aussehen. Sie brüten nämlich, wie Biologe Klemens Pütz vom Antarctic Research Trust in Bremervörde betont, "im Winter auf dem Meereis und nicht etwa im Sommer am Strand". Denn der Untergrund ihrer Kolonie, also das Eis, ist jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen und schmilzt im Sommer weitgehend weg. Daher suchen die Tiere zu Beginn des Winters - also in der Antarktis im Mai - zur Eiablage jene Stellen auf, an denen sie noch bis zum Sommeranfang im Dezember stabilen, nicht geschmolzenen Boden unter den Füßen haben.

Das Problem dabei: Ab Mai legt der Winter auf der Südhalbkugel der Erde ja erst so richtig los. "Und wenn er dann im August/September endet und die Küken geschlüpft sind", erläutert Pütz, der seit rund 30 Jahren das Leben von Pinguinen erforscht, "hat das Eis seine maximale Ausdehnung erreicht." Mit der Folge, dass die Eltern extrem weite Strecken zum offenen Wasser und dann auch retour zurücklegen müssen, um ihren Nachwuchs mit Nahrung versorgen zu können. Und sie müssen das diverse Mal wiederholen. Die Strecken werden zwar von Mal zu Mal kürzer, weil sich das Packeis wieder zurückzieht. Aber die Küken werden auch zusehends größer und hungriger, sodass sie immer mehr Futter brauchen. Ausspannen können die Pinguineltern also erst, wenn ihr Nachwuchs "flügge" ist - im Sinne von: dass er sich sein Futter selbst suchen kann. Und das geschieht nicht vor Januar, dann also, wenn der Weg zum Meer wieder sehr kurz ist. (jzl)

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