Was wurde aus Tamara Bunke?

Im Jahr 1967 schloss sich die Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke in Bolivien dem Revolutionär Ernesto "Che" Guevara an, der dort eine Gruppe von etwa 40 Guerillakämpfern führte. Was wurde aus ihr? (Annette Preuß aus Freiberg stellte dieses Frage.)

Lange hat Tamara Bunke den Guerillakampf nicht geführt: Sie starb am 31. August 1967 am Rio Grande, als sie mit sechs Mitkämpfern in einen Hinterhalt geriet: Ihr Trupp war eine versprengte Nachhut, die bereits im April besagten Jahres den Kontakt zu Che Guevaras Rebellengruppe verloren hatte - die Trennung der Guerilla war einer von vielen Gründen für das Scheitern des Versuchs, von Kuba aus den bewaffneten marxistischen Untergrundkampf in Lateinamerika anzufachen.

Tamara Bunke war die einzige Frau in der rund 60-köpfigen Partisanentruppe Che Guevaras, allerdings war sie auch gegen seinen erklärten Willen dabei: Eigentlich hatte Bunke, die 1937 in Argentinien als Tochter im Exil lebender deutscher Kommunisten zur Welt kam, lediglich als Agentin das heimliche Einrücken der Kubaner in Bolivien organisieren sollen. Durch eine Nachlässigkeit (sie wollte bei einer Kontaktanbahnung mit wichtigen Mittelsmännern entgegen der Absprachen unbedingt den von ihr verehrten Che Guevara persönlich im Dschungel treffen) fand das bolivianische Militär ihren Jeep mit Dokumenten, die ihre jahrelang aufgebaute Tarnung auffliegen ließ, sodass sie quasi nicht zurück ins zivile Leben konnte und bei der Kampftruppe bleiben musste. Damit erfüllte sich allerdings ein Jugendwunsch: Bunke, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der DDR aufgewachsen, hatte dort bereits nach dem Abitur beantragt, als bewaffnete Kämpferin nach Lateinamerika gehen zu dürfen. Die DDR-Behörden wollten sie zuerst als Agentin auf Che Guevara ansetzen, dessen außenpolitische Aktivitäten dem offiziellen Ostblock bestenfalls semi-geheuer waren - durch das Überlaufen eines wichtigen Geheimdienstoffiziers in den Westen scheiterten diese Pläne jedoch. Bunke schaffte es, über ein Verhältnis zu einem Sekretär der kubanischen Botschaft in Prag, in Fidel Castros Inselstaat zu gelangen, wo sie studierte, als Dolmetscherin arbeitete - und erneut zur Agentin ausgebildet wurde mit dem Ziel, in Bolivien Kontakt zur Oberschicht herzustellen - als verdeckter Brückenkopf Kontakt zu örtlichen Revolutionskämpfern. Getarnt als Radiomoderatorin gelang ihr das auch. Später sollte sie über Argentinien eine Stärkung der schwachen bolivianischen Che-Truppe organisieren, die nur wenig Unterstützung in der örtlichen Bevölkerung erhalten hatte. Dabei kam es zur eingangs erwähnten fatalen Entwicklung. Bunke wurde danach in der DDR als Heldin gefeiert - über 200 Einrichtungen trugen dort ihren Namen. (mqu)

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