Wasserversorger reagiert auf trockene Sommer

Das Neudorfer Wasserquellgebiet liefert einen Überschuss, der bislang ungenutzt abfloss. Das soll sich ändern.

Neudorf.

Einen acht Meter breiten Graben baggert Maik Schmidt gemeinsam mit seinen Kollegen in die grüne Narbe einer Wiese oberhalb von Neudorf. Auf einer Tiefe von 1,60 Meter verlegt die Erzgebirge Trinkwasser GmbH (ETW) derzeit eine 800 Meter lange Leitung in südwestliche Richtung. Am Fernwasserbehälter auf der Höhe an der alten Salzstraße zwischen Neudorf und Kretscham soll die Leitung später münden. "Mit dieser Maßnahme reagieren wir auf die trockenen Sommer in den beiden zurückliegenden Jahren", erklärt Produktionsleiter Jörg Roscher von der ETW. "Wir müssen jeden Strohhalm nutzen."

Dieser Strohhalm lässt sich am Neudorfer Wasserquellgebiet oberhalb des Wiesenweges fassen. "Dort haben wir täglich einen Überschuss von etwa 200 Kubikmetern feinsten Trinkwassers, der ungenutzt in die Rote Sehma fließt", sagt Roscher. Dieses Wasser soll nun mit Abschluss der Bauarbeiten in die Aufbereitungsanlage am Ortsausgang gepumpt werden. Von dort geht es desinfiziert in den oberhalb gelegenen Fernwasserbehälter. Es soll dort die Ressourcen aufbessern. Nutznießer sind die Orte Crottendorf, Scheibenberg und teilweise auch Neudorf. Bis Anfang August soll die rund 170.000 Euro teuere Baumaßnahme abgeschlossen sein.

Roscher verweist auf das reichlich 100 Jahre alte Neudorfer Quellgebiet, das bisher immer ausreichend Wasser darbot. Vielleicht entstand gerade deshalb am Wiesenweg ein kleines Wanderziel: der frühere "Hexenschuss". Schwallartig floss dort oberhalb des Bachbettes und in Nähe des Wassertretbeckens an der Roten Sehma aus einem Steingebilde das Überflusswasser in den Bach. Die Geschichte dazu erzählte, dass eine Hexe unablässig Wasser aus ihrer Höhle schöpft und niemals damit fertig wird.

Jetzt steht an genau dieser Stelle ein hölzerner Spuckteufel und lockt Familien und Besucher auf den Weg. Möglicherweise könnte das Wasser, das aus seinem Mund läuft, nun weniger werden, schätzt Roscher.

"Das Trinkwasser aus dem Neudorfer Quellgebiet ist nach wie vor ausreichend und ein qualitativ sehr gutes Wasser", erklärt Roscher. Es müsse lediglich leicht desinfiziert werden, brauche aber sonst keinerlei Zusätze, um die Standards zu erfüllen.

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