Werdegang eines Solidaritäts-Graffitos

Vom Bild für George Floyd ist nicht mehr viel zu erkennen - mehrfach wurde es übermalt. Für die Stadt besteht kein Handlungsbedarf, ebenso wenig für die Polizei.

Zwickau.

Das Graffito in Gedenken an den durch Polizeigewalt getöteten Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis ist bei weitem nicht das einzige im Tunnel zur Zentralhaltestelle. Aber es ist sicher eines, das in kürzester Zeit die größten Veränderungen in seinem Aussehen erlebt hat. Nachdem mutmaßlich linke Akteure das Graffito an die Wand gebracht hatten, wurde es in der vergangenen Woche mit weißer Farbe übermalt. In großen roten Buchstaben war plötzlich der Schriftzug "White Lives Matter" zu lesen; zu deutsch "Weiße Leben zählen".

Der Wahlspruch wird von amerikanischen Neonazis benutzt, die sich gegen die Black-Lives-Matter-Bewegung abgrenzen, welche sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus in den USA stark macht. Doch auch dieser Schriftzug hielt nicht lange an der Tunnelwand. Einen Tag später wurde er mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht. Darunter steht jetzt, sozusagen als Hinweis auf den Urheber der jüngsten Schmiererei: Antifa Zwickau.

Für die Polizei seien die Graffiti strafrechtlich nicht relevant. Keines der Motive sei verfassungsfeindlich, so ein Polizeisprecher auf Anfrage. Der weitere Fortgang liege in der Einscheidung der Stadt Zwickau. Das Rathaus sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, sagt Sprecherin Heike Reinke. Das Ordnungsamt der schreite demnach nicht ein, die Schmiererei werde nicht entfernt. Street-Art-Künstler hatten die Unterführung 2017 mit Erlaubnis der Stadt neu gestaltet.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Peacetyp87
    17.06.2020

    Hier ist friedlicher und bürgerschaftlicher Aktionismus gefragt! Die auf und Abgänge sind 2017 zur freien Gestaltung frei gegeben. Wer also Menschenverachtendes entdeckt soll sich aufgefordert fühlen, allen Hassbotschaften kreativ entgegen zu wirken.