Werdegang eines Solidaritäts-Graffitos

Vom ursprünglichen Bild für George Floyd ist nicht mehr viel zu erkennen. Schon mehrfach wurde es übermalt. Für die Stadt besteht kein Handlungsbedarf, ebenso wenig für die Polizei.

Zwickau.

Das Graffito in Gedenken an den durch Polizeigewalt getöteten Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis ist bei weitem nicht das einzige im Tunnel zur Zentralhaltestelle. Aber es ist sicher eines, das in kürzester Zeit die größten Veränderungen in seinem Aussehen erlebt hat. Nachdem mutmaßlich linke Akteure das Graffito an die Wand gebracht hatten, wurde es in der vergangenen Woche mit weißer Farbe übermalt. In großen roten Buchstaben war plötzlich der Schriftzug "White Lives Matter" zu lesen; zu deutsch "Weiße Leben zählen".

Damit nahmen die bisher unbekannten Täter Bezug auf die Bewegung "Black Lives Matter" , die sich seit Jahrzehnten gegen den Rassismus stark macht. Die Botschaft war damit umgekehrt. Die Antifa Zwickau lies sich diese Schmiererei nicht gefallen und übermalte den Schriftzug nur einen Tag später erneut - diesmal mit schwarzer Farbe - und setzte ihren Namen darunter.

Für die Polizei seien die Graffiti strafrechtlich nicht relevant. Keines der Motive sei verfassungsfeindlich, so ein Sprecher der Polizei auf Anfrage. "Nun muss die Stadt entscheiden, ob die Graffiti bleiben können", so der Sprecher.

Auch für die Stadt Zwickau besteht derzeit kein Handlungsbedarf, wie Rathaus-Sprecherin Heike Reinke auf Anfrage der "Freien Presse" sagte. Das Ordnungsamt der Stadt Zwickau schreite demnach nicht ein. "Das Graffito wird von uns nicht entfernt werden", so Sprecherin Heike Reinke.

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