Wie ein Vogtländer zu Old Shatterhands Gefährten wurde

Den kichernden Sam Hawkens aus den Winnetou-Filmen kannte früher jedes Kind. Was die wenigsten wussten: In Karl Mays Romanen ist die Figur auf einen Vogtländer zurückzuführen. Und dort ist er nicht der einzige.

Pöhl.

Mit seinen spannenden Abenteuergeschichten von tapferen Kriegern und furchtlosen Männern im Wilden Westen - allen voran Winnetou und Old Shatterhand - ist der Sachse Karl May (1842-1912) weltberühmt geworden. Die Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt. Auf 40 Bühnen in Deutschland und Österreich werden seine Werke regelmäßig in Szene gesetzt - die bekannteste befindet sich in Bad Segeberg. Seit 1952 finden dort Karl-May-Festspiele statt, die ein Publikumsmagnet sind.

Die Sachsen sind stolz auf "ihren" Karl May. In Radebeul und Hohenstein-Ernstthal sind ihm Museen gewidmet. Durchaus bekannt ist, dass Karl May einige Jahre seiner Jugend in Plauen verbrachte - nachdem er 1859 vom Lehrerseminar Waldenburg geflogen war, weil er dort Kerzen unterschlagen haben soll. In Plauen durfte er auf dem Gnadenweg seine Ausbildung zum Lehrer fortsetzen. 1861 schloss er sie hier erfolgreich ab. Doch touristisch daraus gemacht wurde in der Region bisher wenig.

Noch viel weniger bekannt ist bisher, dass sich unter den Romanfiguren des produktiven deutschen Autoren zwei Vogtländer befinden. Wie die Pöhler Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) mitteilt, ist sie darauf durch einen eingefleischten Karl-May-Fan aufmerksam gemacht worden. Sie vermutet, dass Karl May damals mit der Eisenbahn in das Vogtland kam, die auch Herlasgrün querte. Der dortige Bahnhof ist bis heute ein Knotenpunkt, ein Umsteigebahnhof.

So kam es wohl dazu, dass eine der schillerndsten Nebenfiguren in Karl Mays Romanen "ein Knopfmachergeselle aus Herlasgrün" im Vogtland ist: Sam Barth. In den Gesammelten Werken, Band 62 und 63, heißt er dann Sam Hawkens. Er ist auch in den bisher berühmtesten Karl-May-Verfilmungen der Winnetou- und Old-Shatterhand-Romane mit Pierre Brice und Lex Barker vertreten, weiß Hommel-Kreißl: "Liebenswert und ein wenig schrullig wird der Westmann dort mit abnehmbarem struppigem blondem Haarteil und einem kichernden ,Hihihihihi' von Ralf Wolter dargestellt."

Und: Sam Barth alias Sam Hawkens soll gemäß Karl Mays Romanvorlage wegen der unglücklichen Liebe zu Auguste Rothe - einer Landwirtstochter aus Ruppertsgrün im Vogtland - nach Amerika ausgewandert sein. Auguste trifft Sam in Mays Erzählungen schließlich in Amerika durch einen glücklichen Zufall wieder. Nach dem Tod ihres Mannes war auch sie ausgewandert, so der Schriftsteller.

"Das muss sich doch vermarkten lassen", sagt Pöhls Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl, die weiß, dass die Gemeinde mit dem Naherholungsgebiet der Talsperre Pöhl, dem Wanderparadies Vogtländische Schweiz, der Elstertalbrücke, dem Klettergebiet Steinicht, dem Mosenturm und der Burgruine Liebau und wunderschönen Villen in Jocketa für Touristen bereits einiges zu bieten hat. Dennoch findet sie: "Mit einer gezielten Werbestrategie könnte man die Angebote um eines für Karl-May-Fans ergänzen." Sie will versuchen, Elisabeth Blüml, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Talsperre Pöhl, und Ina Gabler, Leiterin der Jocketaer Grundschule, dafür mit ins Boot zu holen: "Gefragt sind Ideen, wie man die Roman- und Filmfigur nutzen kann, um Touristen nach Pöhl zu locken.

Eine erste Idee lieferte Ina Gabler ihr bereits: Eines der Ganztagsangebote ab dem kommenden Schuljahr wird an der Grundschule Jocketa eine Theater-AG sein. Dort könnte ein Stück rund um die Geschichte des Knopfmachergesellen aus Herlasgrün einstudiert werden. Die als Bürgermeisterin demnächst scheidende Hommel-Kreißl hofft, dass sich die Pöhler Einwohner, insbesondere die aus Herlasgrün und Ruppertsgrün, an der Ideensuche beteiligen. Wer eine Idee hat, könne sich bei ihr oder im Gemeindeamt melden. (us)

karl-may-wiki.de

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