Wissenschaft
Mal jemand von auswärts? Niemals! – Clans blieben unter sich

Möchte ein Maniote jemanden heiraten, mit dem er nicht verwandt ist, hat er schlechte Karten: Bewohner dieser Ecke Griechenlands haben sich so wenig mit Fremden gemischt wie kaum anderswo in Europa.

Oxford.

Heute bestaunen viele Touristen die ikonischen Wohntürme der Halbinsel Mani im äußersten Süden Griechenlands – jahrhundertelang aber blieben die Menschen dort weitgehend für sich, wie eine genetische Analyse zeigt. Die meisten heute lebenden Manioten stammen demnach in väterlicher Linie von Bewohnern der Region im 4. bis 8. Jahrhundert ab.

Sie sind Nachfahren der patriarchisch geprägten Familienclans, die die einzigartigen, nur in der Inneren Mani zu findenden Megalithbauten schufen – Zeugen jahrhundertelanger Blutrache, in Griechenland Vendetta genannt. Dazu zählen bis zu 20 Meter hohe Wohntürme mit meterdicken Wänden und aus riesigen Steinquadern gestapelte Festungsanlagen, Kirchen und Kapellen.

Hälfte der Menschen hat ein und denselben Vorfahren

Die im Fachjournal "Communications Biology" vorgestellte Genanalyse ergab, dass mehr als die Hälfte der heute in der Inneren Mani – dem südlichsten, abgelegensten Teil der Halbinsel – lebenden Menschen von einem einzelnen männlichen Vorfahren abstammen, der im 7. Jahrhundert nach Christus lebte. Ein solch extremes Muster deute darauf hin, dass die Bevölkerung der rauen, zerklüfteten Gegend damals auf sehr wenige Familien schrumpfte. Zu den möglichen Ursachen zählten Seuchen oder Kriege.

Das Team um Leonidas-Romanos Davranoglou von der University of Oxford hatte Erbgut von 102 Manioten aus bedeutenden Familienclans der Gegend mit dem von mehr als einer Million moderner Individuen aus aller Welt sowie tausenden alten DNA-Proben abgeglichen. Es gab fast keine Übereinstimmungen mit anderen Populationen. Die Bevölkerung der Inneren Mani hat sich also über einen außergewöhnlich langen Zeitraum kaum mit Menschen anderer Regionen vermischt, schließen die Wissenschaftler. Lediglich die ein oder andere Frau sei integriert worden.

Genetische Momentaufnahme der alten griechischen Welt

Mit mehr als einem Jahrtausend der Isolation stellten sie eine der genetisch einzigartigsten Bevölkerungsgruppen Europas dar. Sie böten eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit. "Unsere Studie zeigt, wie Geografie, soziale Organisation und historische Umstände alte genetische Muster in bestimmten Regionen bewahren können, lange nachdem sie anderswo verändert wurden", sagte Davranoglou. Als weitere Beispiele dafür gelten unter anderem die Sorben in Deutschland und die Samen in Nordeuropa.

Die Genomanalyse bestätige viele mündliche Überlieferungen in der Region über gemeinsame familiäre Abstammungen, von denen einige hunderte Jahre zurückreichten, erklärte Mitautor Athanasios Kofinakos aus Piräus. "Die geografische Isolation und die begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen der Inneren Mani haben den kriegerischen Charakter der Einheimischen gefördert. In einer so rauen Umgebung wurden Familienbündnisse für das individuelle und kollektive Überleben von größter Bedeutung."

Zu gehäuft auftretenden genetischen Erkrankungen äußern sich die Studienautoren nicht. Von Menschen in lange isolierten Alpen-Bergdörfern ist bekannt, dass sich zeitweise unter anderem erbliche Schilddrüsenkrankheiten häuften. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
18.02.2026
4 min.
Beschlagnahmung des Protestbusses „Adenauer SRP+“ in Döbeln: Nachträglicher Beschluss war rechtswidrig
Per Tieflader ging es für den Protestbus, den die Polizei zuvor beschlagnahmt hatte, am 7. Oktober von Chemnitz zurück nach Berlin.
Die Beschlagnahme des „Adenauer SRP+“-Busses im September 2025 in Mittelsachsen hat Folgen: Das Landgericht Chemnitz gibt dem „Zentrum für Politische Schönheit“ in einem zentralen Punkt Recht.
Manuel Niemann
07:12 Uhr
2 min.
Feuerwehreinsatz im Reichstagsgebäude
Im Reichstagsgebäude läuft derzeit ein großer Feuerwehreinsatz. (Archivbild)
Ein Gasmelder löst im Reichstagsgebäude Alarm aus. Die Feuerwehr prüft, ob womöglich ein Reinigungsmittel die Ursache war - oder es etwas Ernsteres ist.
02.02.2026
4 min.
Sehr früh aufstehen? Schlafexperten warnen vor dem Trend
Die Forschung unterscheidet zwischen Tag- und Nachtmenschen. (Symbolbild)
Ist frühes Aufstehen der Schlüssel zu einem erfüllten Leben? Warum das Trend-Rezept vom Frühaufstehen zum Gesundheitsrisiko werden kann – und was wirklich für erholsamen Schlaf zählt.
Alicia Darleen Windzio, dpa
17.02.2026
4 min.
Nach Herzstillstand auf der Kammloipe im Vogtland: „Ich bin froh, noch am Leben zu sein“
Petra Gritzner und ihr Lebensgefährte Joachim Heintschel fanden den bewusstlosen Skiläufer im Schnee und leisteten Erste Hilfe.
Am 6. Januar kollabiert nahe Schöneck ein Skiläufer im Schnee. Dank schneller Hilfe überlebt der Mann knapp. Heute sagt er, der gesamte Tag sei aus seinem Gedächtnis gelöscht.
Swen Uhlig
07:04 Uhr
2 min.
Winter legt nach: Es fällt noch einmal reichlich Schnee
Es könne erhebliche Einschränkungen im Berufsverkehr geben, schrieb der Wetterdienst.
Hier Winterchaos, dort Frühlingsgefühle: Nach heftigen Schneefällen werden am Wochenende teils zweistellige Temperaturen erwartet.
22.01.2026
2 min.
Überschwemmungen in Griechenland - Zwei Menschen sterben
In Griechenland kommt es nach Regenfällen zu Überschwemmungen.
Straßen verwandeln sich in reißende Bäche, dazu ein heftiger Sturm: Heftige Unwetter ziehen über Griechenland. Eine erste Bilanz.
Mehr Artikel